Den eigenen Stundensatz festzulegen fühlt sich oft an wie Raten. Zu niedrig, und du verkaufst dich unter Wert. Zu hoch, und du hast Angst, dass Kunden abspringen.
Raten musst du aber nicht. Jedes Jahr messen mehrere große Studien, was Freelancer in Europa tatsächlich verlangen. Wir haben die drei nützlichsten für 2026 zusammengetragen: für den DACH-Raum, UK und die Niederlande.
📝 Hinweis: Dieser Artikel ersetzt unseren Ratgeber von 2025. Der wichtigste Unterschied ist nicht die Jahreszahl: Jede Zahl unten stammt aus einer veröffentlichten Studie, die du selbst nachlesen kannst.
🇩🇪 Deutschland und DACH: im Schnitt 103 € pro Stunde, aber der Markt kühlt ab
Die größte Freelancing-Studie im deutschsprachigen Raum ist der Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap. Er befragt jedes Jahr tausende Freelancer in Deutschland, Österreich und der Schweiz, mit Schwerpunkt auf IT und Business-Beratung, also dem besser bezahlten Ende des Markts.
Die Zahlen für 2026:
- Der durchschnittliche Stundensatz liegt bei 103 €, leicht unter den 104 € des Vorjahres. Zum ersten Mal in der Geschichte der Studie sind die Sätze nicht gestiegen.
- 62 % der Freelancer planen 2026 keine Erhöhung, 9 % wollen ihre Preise sogar senken. Die Hauptgründe: zu wenige Projekte (61 %) und stärkere Konkurrenz (31 %).
- Das durchschnittliche Monatseinkommen fiel um 17 % auf 6.653 €, die Arbeitszeit stieg auf 42 Wochenstunden.
- Kundenakquise ist jetzt Herausforderung Nummer 1. 62 % der Freelancer nennen sie, vor der Einkommensunsicherheit mit 43 %.
Was das für dich heißt: Als erfahrener IT- oder Business-Freelancer im DACH-Markt sind 90 bis 120 € pro Stunde weiterhin normal. Aber die automatische Erhöhung jeden Januar ist erst mal vorbei. Eine klare Nische und eine stabile Kunden-Pipeline zählen jetzt mehr als die Zahl auf der Rechnung. Für den Pipeline-Teil gibt es 9am: eine Suche über die Freelance-Jobplattformen statt zehn offener Tabs, mit einem Bewerbungs- und Positionierungs-Coach in Arbeit.
🇬🇧 UK: Tagessätze von 385 £ bis 566 £, und KI-Skills bringen mehr Geld
Für den britischen Markt ist der YunoJuno Contractor & Freelancer Rates Report 2026 die detaillierteste öffentliche Quelle. Er basiert auf über 182.000 echten Buchungs- und Skill-Datenpunkten.
Durchschnittliche Tagessätze nach Disziplin (2026):
|
Disziplin |
Ø Tagessatz |
|---|---|
|
Cloud & Infrastruktur |
566 £ |
|
Softwareentwicklung |
533 £ |
|
Produktmanagement |
521 £ |
|
Strategie |
518 £ |
|
Data & Analytics |
501 £ |
|
KI & Automatisierung |
472 £ |
|
UX |
452 £ |
|
Marketing & Kommunikation |
418 £ |
|
Kreative |
417 £ |
|
Projektmanagement |
406 £ |
|
Design |
385 £ |
Geteilt durch einen 8-Stunden-Tag sind das grob 48 bis 71 £ pro Stunde. Wichtig: Das sind Durchschnitte über alle Erfahrungslevel, gemessen an echten Buchungen. Erfahrene Spezialisten liegen deutlich darüber.
Das auffälligste Ergebnis: KI-Skills werden bezahlt. Softwareentwickler mit KI-Kenntnissen verdienen 26 % mehr als ihre Kollegen. Projektmanager mit KI-Skills 17 % mehr.
Was das für dich heißt: Wenn UK dein Markt ist, orientiere dich an der Tagessatz-Tabelle für deine Disziplin. Und wenn du echte KI-Workflows in deine Arbeit eingebaut hast: Hör auf, sie gratis mitzuliefern.
🇳🇱 Niederlande: im Schnitt 83 € pro Stunde, und die meisten haben erhöht
Für den niederländischen Markt hat die Knab-Studie 2026 mehr als 20.000 Selbstständige (zzp’ers) befragt:
- Der durchschnittliche Stundensatz liegt bei 83 € netto, ein Plus von 2,5 % gegenüber 81 € in 2025.
- 57 % der niederländischen Freelancer haben ihre Sätze erhöht, im Schnitt um 9 %. Nur 2 % haben gesenkt.
- Die Spanne zwischen den Branchen ist riesig. Juristen liegen im Schnitt bei 146 €, Unternehmensdienstleistungen bei 104 €, die Gastronomie bei etwa 49 €.
- 82 % berichten von hoher Nachfrage. 67 % sind mit ihrem aktuellen Satz zufrieden.
Anders als die deutsche Studie zählen die niederländischen Zahlen alle Selbstständigen, vom Consultant bis zum Handwerk. Das drückt den Schnitt. Wissensarbeiter liegen in den Niederlanden typischerweise deutlich über 83 €.
Was das für dich heißt: Der niederländische Markt bleibt für qualifizierte Freelancer ein Verkäufermarkt. Wer seit zwei Jahren nicht erhöht hat, liegt jetzt unter dem Median.
Warum diese Zahlen höher sind als die meisten Tabellen im Netz
Du kennst vermutlich Stundensatz-Tabellen mit 40 bis 60 € für Entwickler in Westeuropa. Unser Ratgeber von 2025 gehörte dazu. Die Lücke hat einen einfachen Grund: Solche Tabellen mischen Plattform-Arbeit (wo Marktplätze 20 bis 30 % nehmen und der Preisdruck global ist) mit Direktkunden, und Junioren mit Senioren. Die Studien oben messen, was Freelancer tatsächlich abrechnen. Echte Rechnungen liegen höher als Internet-Folklore.
Bevor du einen Durchschnitt in deine nächste Rechnung überträgst, drei Dinge:
- Durchschnitte verstecken Spannen. Junioren und Generalisten liegen darunter, Nischen-Senioren weit darüber.
- Die DACH-Daten sind IT- und beratungslastig. Als Junior-Texterin solltest du dich nicht an 103 € orientieren.
- Ein Stundensatz ist kein Einkommen. In der DACH-Studie hatte ein Viertel der Freelancer weniger als 50 fakturierbare Tage im Jahr. Dein effektiver Satz hängt davon ab, wie viel du wirklich abrechnest. Deshalb zählt deine persönliche Untergrenze mehr als jeder Benchmark.
So legst du deinen Satz 2026 fest: die 4-Checks-Methode, aktualisiert
- Untergrenzen-Check (neu). Rechne dein Wunsch-Jahreseinkommen plus Kosten, Steuern und Sozialabgaben zusammen und teile durch deine realistischen fakturierbaren Stunden. Die meisten Vollzeit-Freelancer stellen 1.000 bis 1.200 Stunden im Jahr in Rechnung, nicht 2.000. Das Ergebnis ist dein Minimum. Kein Benchmark schlägt diese Zahl.
- Markt-Check. Vergleiche mit den Studiendaten oben für dein Land und deine Disziplin, nicht mit beliebigen Tabellen aus dem Netz.
- Positionierungs-Check. Zieht dein Preis die Kunden an, die du willst? Oder nur die, die zu allem Billigen Ja sagen? In jeder der zitierten Studien verdienen Spezialisten mit klarer Nische mehr als Generalisten.
- Selbstbewusstseins-Check. Kannst du die Zahl laut aussprechen, ohne zu zucken? Wenn nicht: üben. Die Studien zeigen, dass der Markt sie zahlt.
Wenn Kunden über den Preis verhandeln
Preisdiskussionen gibt es in jeder Preisklasse. Zwei Antworten, mit denen du souverän bleibst:
- „Das ist mehr, als wir eingeplant haben.” → „Verstehe ich. Falls sich das ändert, meld dich gern. Ich empfehle dir sonst auch jemanden mit einem anderen Erfahrungslevel.”
- *„Geht das auch für 40 € die Stunde?“* → „Zu dem Satz könnte ich nicht die Qualität liefern, die du erwartest. Und mir ist wichtig, dass du echte Ergebnisse bekommst.”
Deine besten Kunden verhandeln deinen Wert nicht runter. Sie schätzen deine Klarheit.
⚖️ Noch ein Punkt für Freelancer mit deutschen Kunden: Dein Stundensatz hängt auch mit deinem rechtlichen Setup zusammen. Wer überwiegend für einen Auftraggeber und nach dessen Weisung arbeitet, riskiert Scheinselbstständigkeit. Prüf dein Risiko kostenlos auf scheinselbststaendigkeitstest.de.
TL;DR
Die Daten für 2026: IT- und Business-Freelancer im DACH-Raum liegen im Schnitt bei 103 € pro Stunde (erstmals ohne Wachstum), UK-Contractors bei 385 bis 566 £ pro Tag je nach Disziplin (mit 17 bis 26 % Aufschlag für KI-Skills), niederländische Freelancer bei 83 € pro Stunde, wobei die meisten zuletzt erhöht haben. Orientiere dich an der Studie für deinen Markt, rechne deine persönliche Untergrenze mit realistischen fakturierbaren Stunden und bepreise deine Spezialisierung, nicht deine Zeit.
Quellen: freelancermap Freelancer-Kompass 2026 · YunoJuno Contractor & Freelancer Rates Report 2026 · Knab zzp-onderzoek 2026