Was können wir alle von Remote-First-Unternehmen lernen? Am 19. Januar 2023 haben wir Nadia Vatalidis, VP of People bei Remote, eingeladen, um genau darüber zu sprechen. Mit ihrer langen Erfahrung bei Remote-First-Unternehmen wie GitLab und Remote ist sie die perfekte Person, um zu erklären, warum Aufbau und Prozesse von Remote-First-Unternehmen jedem Unternehmen nützen - remote, hybrid oder im Büro.
Remote-First-Praktiken helfen allen
Manche wollen remote arbeiten, manche bevorzugen hybrides Arbeiten, andere gehen jeden Tag gern ins Büro. Um all diese Bedürfnisse zu erfüllen, wird ein hybrides Modell für viele Unternehmen die Zukunft sein. Nadia ist aber überzeugt, dass es selbst in reinen Büro-Umgebungen spannend sein kann, einzelne Praktiken von Remote-First-Unternehmen zu übernehmen. Sie helfen Teams, effizienter, inklusiver und eigenständiger zu werden.
Entscheidend ist, die Praktiken bewusst einzuführen, statt sie zu erzwingen, wie es viele Unternehmen zu Beginn der Pandemie tun mussten. Nadia hat 5 Säulen von Remote-First mit uns geteilt.
Im Video erklärt sie sie im Detail:
Säule 1: Dokumentation
Gute Dokumentation ist für jedes Unternehmen eine wichtige Basis, für Remote-First-Unternehmen wird sie aber unverzichtbar. Sie ist die Wissensbasis, die immer verfügbar ist, egal wo und wann ein Teammitglied arbeitet. So hilft sie nicht nur allen, Probleme selbst zu lösen, sondern verbessert auch Wissensaustausch und Verständnis.
Eine Dokumentation von Grund auf zu starten ist nicht immer leicht, wenn man sich bisher nicht darauf konzentriert hat. Nadia hat ein paar Tipps für den Einstieg geteilt:
- Dokumentiere, woran du gerade arbeitest, sofern es ein Prozess von allgemeiner Bedeutung für Unternehmen oder Team ist.
- Wenn jemand eine Frage stellt, antworte möglichst mit einem Link zur Dokumentation. Wenn sie nicht existiert, erstell sie.
- Frag neue Kolleginnen und Kollegen, welche Dokumentation ihnen im Onboarding gefehlt hat.
Es kann eine gute Idee sein, Teile der Dokumentation öffentlich zu machen, weil es anderen Unternehmen hilft und Bewerbern einen Einblick gibt. Es gibt zum Beispiel ein öffentliches Remote-Handbuch mit vielen Informationen zu den Prozessen im Unternehmen.
Säule 2: Asynchrone Zusammenarbeit
Laut Nadia kann die Effizienz dramatisch steigen, wenn Teams asynchron zusammenarbeiten. Das liegt daran, dass weniger Zeit in ineffizienten Meetings verloren geht und ein Mindset entsteht, Probleme selbst zu lösen, statt immer den Team-Lead nach dem richtigen Weg zu fragen. Die Grundlage dafür ist natürlich gute Dokumentation, damit Informationen jederzeit verfügbar sind.
Nadias Rat für den Einstieg in asynchrone Zusammenarbeit:
- Erwarte nicht, dass jede Nachricht sofort beantwortet wird. Das erlaubt fokussierteres Arbeiten und durchdachtere Antworten, weil Menschen über ihre Antwort nachdenken, statt in den Schnellschuss-Modus zu gehen.
- Vermeide Last-Minute-Meetings, außer im Notfall. Wenn du deine Gedanken ohne Schreiben teilen willst, denk an Sprachnachrichten oder kurze Videoaufnahmen, zum Beispiel mit Loom.
- Sag Meetings ohne Agenda ab, mit Ausnahme regelmäßiger 1-on-1s.
Nutze Speedy Meetings mit maximal 25 Minuten, wenn ein Meeting nötig ist. - Normalisiere Fokus-Blöcke oder meetingfreie Blöcke. Das funktioniert auch im Büro, mit Zeichen, die anderen zeigen, dass du nicht gestört werden willst. Das können echte Schilder sein oder Signale wie Noise-Cancelling-Kopfhörer oder die geschlossene Bürotür.
Säule 3: Prozesse und Tools
Klare Prozesse und die richtigen Tools helfen allen, bessere Arbeit zu leisten. Wichtig ist, dass Remote-Mitarbeitende dieselben Möglichkeiten haben wie die Menschen im Büro, was Tool-Zugänge und Gelegenheiten für soziale Interaktion angeht. Du könntest zum Beispiel Kalender-Blocker einführen, damit sich das Team trifft und austauscht.
Die eingesetzten Tools sollten so einfach und zugänglich wie möglich sein, damit sie alle Teammitglieder einschließen. Wichtig ist, Beeinträchtigungen mitzudenken, die die Nutzung mancher Tools erschweren könnten, und Alternativen zu finden.
Säule 4: Flexibilität
Laut einer aktuellen Umfrage von Remote ist Flexibilität eines der Dinge, die Beschäftigte an ihrer Arbeit am meisten schätzen und suchen. Beim Thema Remote-Arbeit denkt man zuerst an die Möglichkeit, von überall zu arbeiten. Aber es geht nicht nur um den Ort. Für viele sind flexible Arbeitszeiten genauso wichtig. Das kann jedes Unternehmen bieten, selbst wenn die Belegschaft ins Büro kommen soll.
Dasselbe gilt dafür, Mitarbeitende entscheiden zu lassen, wie sie arbeiten wollen. Ein Aspekt davon ist die freie Wahl der Ausstattung, ein anderer die Freiheit beim Arbeitsstil, solange er zur Unternehmenskultur passt.
Flexibilität bei den Benefits ist ebenfalls spannend. In verschiedenen Lebensphasen schätzen Mitarbeitende unterschiedliche Benefits. Eine Umfrage ist ein guter Weg, um herauszufinden, was die Menschen glücklich macht und was für sie weniger Priorität hat.
Säule 5: Entscheidungen
Top-down-Entscheidungen ohne Erklärung sind oft die Quelle des Scheiterns. In einem Remote-Setup gilt das umso mehr, weil Menschen sich schnell fühlen, als würde ihnen diktiert, was zu tun ist, ohne Einblick oder Einfluss. Sie wollen Teil von Ideen und Entscheidungen sein. Laut Nadia sollten Führungskräfte Feedback ernst nehmen und mit Umfragen die Meinungen ihres Teams einholen. Es wird nie möglich sein, jede Idee umzusetzen, aber Offenheit ebnet den Weg für kreativere Ansätze und kann viel für die Team-Motivation tun.
Hier findest du das komplette Webinar inklusive Q&A-Session mit Nadia.