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Altersvorsorge für Selbstständige: Deine echten Optionen im Jahr 2026

Während die Rentenpflicht feststeckt, ist eine Reform längst durch: Ab Januar 2027 legt der Staat bis zu 540 € im Jahr drauf.

Marc Clemens
Marc Clemens

Aug 28, 2026

Versicherungen Finanzen
Kurz gesagt

Während die Politik über eine Rentenpflicht streitet, die es noch nicht gibt, ist eine Reform längst beschlossen, die dir mehr bringt. Ab Januar 2027 können Selbstständige mit Gewinneinkünften erstmals die staatliche Förderung für private Altersvorsorge mitnehmen: bis zu 540 € im Jahr auf 1.800 € eigenes Geld. Bis dahin gibt es drei Wege: einen Rürup-Vertrag (2026 bis 30.826 € absetzbar für Ledige), freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente (2026 zwischen 112,16 € und 1.571,70 € im Monat) und, in den Kammerberufen, dein Versorgungswerk.

Die Rentendebatte für Selbstständige läuft seit drei Jahren unter derselben Überschrift: Wirst du in die gesetzliche Rente gezwungen, und zu welchen Bedingungen. Das ist wichtig, und es steht in unserem Beitrag zur Altersvorsorgepflicht. Es ist nur nicht das, was du diesen Monat entscheiden musst.

Das Leisere ist das Wichtigere. Am 8. Mai 2026 hat der Bundesrat dem Altersvorsorge-Reformgesetz zugestimmt, und das schafft etwas, das keine Riester-Reform hinbekommen hat: Selbstständige bekommen die Zulage. Hier ist die komplette Auswahl, mit den Zahlen für 2026 und der Stelle, an der es jeweils wehtut.

Rürup: der Abzug mit Schloss

Die Basisrente, meist Rürup genannt, ist die Variante für Menschen ohne Arbeitgeber. Beiträge zählen als Sonderausgaben, seit 2023 zu 100 %.

Beim Höchstbetrag steht in vielen Texten eine alte Zahl, deshalb hier die Herleitung. § 10 Abs. 3 EStG nennt gar keinen Eurobetrag. Er setzt den Höchstbetrag gleich dem Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung, aufgerundet auf einen vollen Euro, und verdoppelt ihn bei zusammen veranlagten Ehegatten. Dieser Höchstbeitrag ist das Produkt aus zwei veröffentlichten Werten: der Beitragsbemessungsgrenze der knappschaftlichen Rentenversicherung, 2026 bei 124.800 € im Jahr, und dem Beitragssatz von 24,7 %. Also: 124.800 € × 24,7 % = 30.825,60 €, aufgerundet 30.826 € für Ledige und 61.652 € für zusammen veranlagte Paare im Jahr 2026. Beide Werte ändern sich jährlich, genau deshalb hält sich die Vorjahreszahl so hartnäckig.

Das Schloss ist echt und gehört vor die Unterschrift. Nach § 10 Abs. 1 Nr. 2 b EStG zahlt eine Basisrente eine monatliche lebenslange Leibrente, frühestens ab 62, und der Anspruch ist nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar. Keine Einmalauszahlung, kein vorzeitiger Ausstieg, keine Beleihung. Dafür ist das Geld in der Insolvenz und bei der Grundsicherung geschützt. Wenn dein Gewinn schwankt und du mit 48 vielleicht an dieses Geld musst, ist das der falsche Behälter.

Die gesetzliche Rente, freiwillig

Du kannst in die Deutsche Rentenversicherung einzahlen, ohne dazu verpflichtet zu sein. § 7 SGB VI öffnet die freiwillige Versicherung für alle, die nicht versicherungspflichtig sind, ab 16. Der Mindestbeitrag liegt 2026 bei 112,16 € im Monat, der Höchstbeitrag bei 1.571,70 €, und der Beitragssatz bleibt im neunten Jahr bei 18,6 %.

Es gibt eine zweite, weniger bekannte Tür, und die hat eine Frist. Nach § 4 Abs. 2 SGB VI können Selbstständige die volle Versicherungspflicht beantragen, aber nur innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme der Tätigkeit. Verpasst du das Fenster, ist es zu. Ob sich das lohnt, hängt von deinem Alter ab, von dem, was schon auf deinem Konto liegt, und von dem, was du sonst hast. Die DRV berät dazu kostenlos, und das ist die eine Frage, die du besser dorthin trägst als zu einem Vermittler.

Versorgungswerk, wenn dein Beruf eines hat

Ärztinnen, Anwälte, Architektinnen, Steuerberater, Notarinnen und weitere Kammerberufe sparen im Versorgungswerk statt in der gesetzlichen Rente, in den meisten Bundesländern verpflichtend. Beitragshöhe, Mindestbeitrag und Aufstockungsregeln setzt jede Kammer und jedes Land selbst. Eine bundesweite Zahl gibt es hier nicht, und wer eine nennt, nennt die einer einzelnen Kammer. Frag deine direkt, und frag ausdrücklich nach freiwilligen Zusatzbeiträgen. Da liegt meistens der Spielraum.

Neu ab Januar 2027: die Förderung gilt endlich auch für dich

Das Altersvorsorge-Reformgesetz ersetzt Riester ab dem 1. Januar 2027 durch neue Produkte: ein Altersvorsorgedepot ohne Kapitalgarantie, Garantieprodukte für alle, die eine wollen, und ein Standardprodukt mit einer Kostenobergrenze von 1,0 %.

Der Teil, der deine Planung ändert, ist die Frage, wer das Geld bekommt. Laut BMF werden Personen mit Gewinneinkünften nach § 15 oder § 18 EStG, die eine Steuererklärung abgeben, unmittelbar förderberechtigt. Das sind die meisten Freelancer und die meisten Gewerbetreibenden, und es ist das erste Mal.

Die Förderung funktioniert als Zuschuss auf deine Einzahlung, nicht als Geschenk. Der Staat legt 50 Cent je Euro drauf, bis 360 € im Jahr, danach 25 Cent je Euro für die Beträge von 361 € bis 1.800 €. Macht maximal 540 € Grundzulage im Jahr. Pro Kind kommt 1 € je Euro auf bis zu 300 €. Wer unter 25 ist, bekommt einmalig 200 €. Einzahlen kannst du bis zu 6.840 € im Jahr, gefördert werden davon bis zu 1.800 €.

Zwei ehrliche Einschränkungen. Die Produkte existieren noch nicht, niemand kann also Kosten vergleichen, und ab Januar 2027 wird kräftig verkauft. Und ein Zuschuss auf 1.800 € ist echtes Geld, aber für sich genommen keine Altersvorsorge.

Die Aktivrente ist nicht für dich

Seit dem 1. Januar 2026 können Menschen, die nach der Regelaltersgrenze weiterarbeiten, bis zu 2.000 € im Monat steuerfrei verdienen. Die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See nennt die Grenze klar und ebenso klar, wer draußen bleibt: Für Selbstständige, Gewerbetreibende, Land- und Forstwirte, Minijobs und Beamte gilt die Aktivrente nicht. Es ist eine Steuerbefreiung für Arbeitslohn.

Die Verbände haben dagegen gekämpft. Nach Angaben des VGSD, der die Kampagne mit dem BAGSV-Bündnis geführt hat, kam die Petition auf 102.420 Unterschriften, beteiligt waren 45 Verbände. Das Gesetz kam unverändert. Rechne damit: Wer mit 68 als Freelancer arbeitet, versteuert dieselben Euro, die der angestellte Nachbar steuerfrei bekommt.

Die Zahl, die keiner hat

Es gibt keine geprüfte Zahl für 2026, wie viel deutsche Freelancer tatsächlich fürs Alter zurücklegen. Mehrere Umfragen streifen das Thema, keine beantwortet es sauber, deshalb steht hier kein Prozentwert. Belegt ist die Richtung der Debatte, und dass es die Werkzeuge oben gibt, ob eine Pflicht kommt oder nicht.

Was du am Montag tust

  1. Rechne deinen Rürup-Spielraum aus. 2026 sind es 30.826 € ledig und 61.652 € zusammen veranlagt, minus dem, was du schon eingezahlt hast. Eine Einmalzahlung zählt nur für das Steuerjahr, in dem das Geld dein Konto verlässt.
  2. Prüf die Fünf-Jahres-Uhr. Wenn du vor weniger als fünf Jahren gestartet bist, entscheide über den Antrag nach § 4 Abs. 2 SGB VI, bevor das Fenster zugeht. Für genau diese Frage lohnt der kostenlose DRV-Beratungstermin.
  3. Kammerberuf? Frag dein Versorgungswerk zwei Dinge: den aktuellen Mindestbeitrag und die Obergrenze für freiwillige Aufstockungen.
  4. Trag den Januar 2027 ein, wenn das Altersvorsorgedepot startet. Unterschreib nicht in der ersten Woche. Vergleich die 1,0-%-Kostengrenze des Standardprodukts mit dem, was deine Bank anbietet.
  5. Trenn die Rentenfrage von der Liquiditätsfrage. Ist deine Rücklage dünn, kommt die zuerst. Die Reihenfolge steht in unserem Beitrag zu den Finanzfallen für Freelancer.

Jede dieser Optionen braucht Beiträge, und Beiträge brauchen abrechenbare Tage. Wenn die bei dir schwanken, ist das das dringendere Problem: Mit einem kostenlosen Profil auf 9am siehst du Unternehmen aus der ganzen DACH-Region, die Freelancer suchen. Und wenn die Rente näher rückt als früher: Die Positionierungsseite steht in unserem Beitrag zu Selbstständigkeit über 50.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information aus der Praxis. Er ist keine Anlageberatung und ersetzt keine Steuer- oder Finanzberatung für deine Situation.

Marc Clemens

Founder & Product Builder

Marc baut seit über zehn Jahren Recruiting- und Job-Marktplätze. Mit 9am will er Freelance-Arbeit für beide Seiten einfacher machen, nebenbei organisiert er die Freelance-Unlocked-Konferenz.

9am profileLinkedIn

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