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Back Eigenen KI-Assistenten bauen: Zwei Freelancer, zwei Setups, und was sie wirklich kosten

Eigenen KI-Assistenten bauen: Zwei Freelancer, zwei Setups, und was sie wirklich kosten

57 Calls, 159 Content-Ideen, 25 $ im Monat plus 5 Cent pro Gespräch. Oder 900 Textdateien ohne Datenbank. Zwei echte Builds, mit DSGVO-Box.

Blago Yanakiev
Blago Yanakiev

Sep 07, 2026

KI Produktivität Recht
Kurz gesagt

Zwei Freelancer haben bei Freelance Unlocked 2026 selbst gebaute KI-Assistenten gezeigt und Zahlen genannt. Lucas Chevillard macht aus aufgezeichneten Kundengesprächen To-dos, Content-Ideen und Entwürfe für Deliverables, mit einer App auf Lovable und der Claude-API: 57 Calls verarbeitet, 159 Content-Ideen, rund 25 $ im Monat plus etwa 5 Cent pro Gespräch. Fabian Werkmeister betreibt seinen persönlichen Coach auf rund 900 Markdown-Dateien und ein paar Indexdateien, ohne Datenbank, mit beliebigem Modell. Beides lässt sich an einem Wochenende nachbauen. Was die meisten überspringen, ist der rechtliche Teil: Kundengespräche in einer fremden KI sind personenbezogene Daten, und Aufnehmen braucht vorher Zustimmung.

"Unternehmen verbrennen Millionen in Tokens" war die Schlagzeile des Jahres. Die beiden Freelancer, die bei Freelance Unlocked 2026 ihre eigenen KI-Assistenten gezeigt haben, zahlen ein Abo und Cent-Beträge, oder nichts über das Chat-Abo hinaus. Hier ist, was sie gebaut haben, was es Stand September 2026 kostet und was das deutsche Datenschutzrecht verlangt, bevor du es nachbaust.

Setup 1: Kundengespräche rein, To-dos und Entwürfe raus

Lucas Chevillard ist seit zweieinhalb Jahren Freelancer für E-Mail-Marketing und CRM-Strategie: sieben bis zehn Kunden im Jahr, drei parallel, meist Audits. Sein Stack war unspektakulär: Notion für alles, Accountable (Affiliate-Link) für Finanzen und Steuern, viele Calls.

Aufgenommen hat er die Gespräche, um seinen Vertrieb zu verbessern, dann merkte er, dass die Transkripte "super valuable information" sind. Erster Einsatz: Transkript des Erstgesprächs zusammen mit seinem Notion-Template in Claude einfügen.

"You get something that's 90% ready. [...] The process really went from like one to two hours to: the call is done, 10 minutes, I add my secret sauce to it and then that's something I can send to the client directly." (Lucas Chevillard)

Die aktuelle Version ist eine App, gebaut mit Lovable. Call aufnehmen, Transkript an die App schicken, Claude sortiert, und das Ergebnis landet an drei Stellen: To-dos in der Aufgabenliste, Content-Ideen in einer Warteschlange für LinkedIn-Briefings, Projektpunkte in einem Bereich, in dem die App entlang der zugesagten Deliverables schon das Ergebnisdokument vorentwirft.

Seine Zahlen: "57 calls, more interesting for the output, 159 content ideas, it's like almost half a year if I kind of like go for that." Und die Rechnung: "At the moment it's like Lovable, it's like $25 per month. If I do the Claude API call for each call processing, it's like 5 cents per 30 minute call, so it's totally manageable."

Zwei Warnungen von ihm sind mehr wert als die Demo. Zum Umfang: Er habe "some monstrosity" gebaut, weil es nicht klar definiert war, also "be clear about the MVP that you want." Zum Output: Wer mit KI erstellt oder schreibt, "you really need to stand by everything that's written." Was seinen Schreibtisch verlässt, hat er gelesen.

Setup 2: 900 Textdateien und ein Wegweiser

Fabian Werkmeister, Data-Engineering-Berater, der vor einem Jahr gegründet hat, ist den anderen Weg gegangen. Keine App, keine Datenbank, kein Code.

"Das sind einfach nur Ordner mit Textdateien. Das war's." (Fabian Werkmeister)

Drei Teile. Ein RAW-Ordner als Inbox: Alles landet dort als Markdown, von Gesprächstranskripten bis zu geclippten LinkedIn-Posts. Ein Wiki mit seinem Wissen nach Themen: KI, Business, seine Arbeit, Gesundheit. Projekt-Ordner als isolierte Sessions für größere Vorhaben.

Der Trick, der die Vektordatenbank ersetzt, ist der Index. "Bei jeder Chatanfrage, die ich stelle, liest mein Modell zuerst das Regelwerk und Inhaltsverzeichnis und dann weiß es genau, was wo liegt und navigiert sich dann über diese Indexdateien immer tiefer." Diese Wegweiser schreibt und pflegt das Modell selbst. Zur Größe, auf eine Publikumsfrage: "I have around 900 markdown files right now in my second brain, I guess around a million lines of text."

Die Engine ist absichtlich austauschbar: "Nehmt das Abo, was ihr mögt, nehmt das Abo, was ihr euch leisten könnt und dann benutzt das einfach. Es ist völlig austauschbar." Anweisungsdatei umbenennen, und jedes Modell kann sie lesen, auch ein lokales, seine Option, wenn man sensibles Material nicht auf den Servern eines US-Konzerns haben will.

Sein Flaggschiff ist ein persönlicher Coach, gefüttert mit seinem Tagebuch. Die kopierbaren Business-Anwendungen: Feedback zu den eigenen Sales-Calls, CV und Angebot passend zu einer konkreten Ausschreibung umgeschrieben. Und eine harte Grenze, auf die Frage nach Kundendaten:

"Ich trenne schon noch Kundenprojekte und das Setup. Also das ist mir dann auch zu heiß. Also, das kommt da nicht rein, weil da beantworte ich dann keine persönlichen Fragen zu Kundenprojekten." (Fabian Werkmeister)

Was es kostet, geprüft am 5. September 2026

Chevillards Zahlen stammen vom August 2026. Wir haben die Preislisten am 5. September 2026 nachgeschlagen; Preise ändern sich, die Links stehen in den Quellen.

Lovable. Die Seite zu den Abo-Plänen nennt einen Free-Plan mit wenigen täglichen Build-Credits, Pro ab 25 $ im Monat für 100 Credits (Stufen bis 2.250 $) und Business ab 50 $ im Monat. Jahreszahlung ist günstiger. Chevillards 25 $ sind die Einstiegsstufe von Pro.

Claude-API. Anthropics Preisseite nennt je Million Tokens: Sonnet 5 mit 2 $ Input und 10 $ Output, Haiku 4.5 mit 1 $ und 5 $, Opus 5 mit 5 $ und 25 $. Batch-Verarbeitung kostet die Hälfte.

Unsere Schätzung für einen 30-Minuten-Call. Grob 5.000 Wörter, etwa 7.000 Tokens rein, vielleicht 1.500 Tokens strukturierte Ausgabe. Mit Sonnet 5 sind das rund 3 Cent, mit Opus 5 etwa 7 Cent. Chevillards 5 Cent liegen in der Mitte, und 57 Calls zu 5 Cent sind unter 3 $. Aufs Jahr ist das App-Abo der Kostenpunkt. Die KI ist Rundungsfehler.

Werkmeisters Variante kostet das Chat-Abo, das du ohnehin zahlst. Markdown ist kompakt, und der Index sorgt dafür, dass das Modell nur liest, was gelesen werden muss.

Die DSGVO- und Einwilligungs-Box

Ganz gelöst hatte diesen Punkt keiner der beiden. Chevillard, gefragt, ob seine Kunden wissen, dass ihre Gespräche in eine KI wandern, antwortete ehrlich: bisher NDAs, und "I actually want to write in my contracts with them that I record all my calls to be on the safe side." Werkmeister hält Kundenprojekte komplett heraus. Hier der deutsche Rahmen, als Einordnung aus der Praxis.

1. Die Aufnahme kommt vor der KI. Nach § 201 StGB ist es strafbar, das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen unbefugt aufzunehmen, bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Alle im Call stimmen zu, bevor du auf Aufnahme drückst. Ansagen, Ja einholen, notieren. Eine NDA regelt Vertraulichkeit, sie ist keine Einwilligung in die Aufnahme.

2. Kundengespräche sind personenbezogene Daten. Namen, Stimmen, was ein Stakeholder über eine Kollegin gesagt hat. Die Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz zu KI und Datenschutz (gemeinsame Leitlinie der deutschen Aufsichtsbehörden, 6. Mai 2024) ist deutlich, dass Schwärzen nicht hilft: "Um die Eingabe personenbezogener Daten zu vermeiden, reicht es regelmäßig nicht, Namen und Anschriften einer Eingabe zu entfernen."

3. Der KI-Anbieter ist meist dein Auftragsverarbeiter. Abschnitt 2.1: Wer die KI-Anwendung eines externen Anbieters zu eigenen Zwecken einsetzt, etwa als Cloud-Lösung, für den agiert der Anbieter als verlängerter Arm, und "dann besteht zwischen dem Anbieter der Anwendung und dem Verantwortlichen häufig ein Auftragsverarbeitungsverhältnis gemäß Art. 28 f. DS-GVO." Du brauchst einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO. API- und Business-Tarife der großen Anbieter bringen ihn mit, Consumer-Chat-Konten oft nicht.

4. Du brauchst eine Rechtsgrundlage, und dein Kunde auch. Abschnitt 3.1: "Für die Verarbeitung personenbezogener Daten in KI-Anwendungen und die evtl. erfolgende Übermittlung dieser Daten an Anbieter von KI-Anwendungen muss außerdem jeweils eine Rechtsgrundlage erfüllt werden." Bei Stakeholder-Interviews heißt das meist: Der Kunde stimmt als Verantwortlicher für die Daten seiner Beschäftigten dem Tooling schriftlich zu, und du hast einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit ihm. Frag vor dem ersten Call.

5. Wähl Tools, die nicht auf deinen Eingaben trainieren. Abschnitt 1.9: "Datenschutzrechtlich vorzugswürdig sind daher Anwendungen, die die Ein- und Ausgabedaten nicht zu Trainingszwecken verwenden." Training abschalten, wo es geht, Tarife bevorzugen, bei denen es standardmäßig aus ist, prüfen, wo die Daten liegen.

6. Trennen, minimieren, löschen. Werkmeisters Grenze ist die Betriebsregel: Kundenmaterial in einen eigenen Ordner oder ein eigenes Projekt, nie in die persönliche Wissensbasis. Behalten, was das Deliverable braucht, Transkripte zum Projektende löschen.

Diese Box ist eine allgemeine Einordnung aus der Praxis und ersetzt keine Rechtsberatung. Wer Kundengespräche in größerem Umfang verarbeitet, lässt das Setup einmal von einer Datenschutzanwältin oder dem Datenschutzbeauftragten des Kunden prüfen.

Welches Setup passt zu dir?

Chevillards Weg passt, wenn deine Arbeit einen Strom ähnlicher Eingaben erzeugt und du strukturierte Ergebnisse in Tools willst, die du schon nutzt: ein Abo, ein Wochenende, MVP-Disziplin. Werkmeisters Weg passt, wenn dein Wert in gesammeltem Wissen und Urteil liegt und du null Lock-in willst: nichts, was du nicht schon zahlst.

Beide stehen auf demselben Fundament: Das Modell liefert erst, wenn es dein Business kennt. Die dreistufige Kontextdatei aus KI nutzen, ohne dein Urteil zu verlieren ist dieses Fundament in drei Stunden. Wie dieselben Baufähigkeiten zu einem Produkt für andere werden, zeigt Christine Vallaures Session; für Automatisierungen ohne App fang mit Wie du deinen Freelancer-Alltag mit KI automatisieren kannst an.

Was du am Montag tust

  1. Mach Chevillards Audit: Welche Aufgabe wiederholt sich über Kunden hinweg und frisst die meisten Stunden, und was steuerst du bei, das in keinem Tool steckt?
  2. Wähl den Weg, App oder Ordner, und schreib die kleinste Version auf, die an einem echten Fall funktioniert.
  3. Bevor ein Kundengespräch in eines von beiden wandert: ein Satz zu Aufnahme und KI-Verarbeitung ins Auftragsschreiben, und prüfen, ob dein Anbietertarif einen Vertrag nach Art. 28 und eine Kein-Training-Einstellung hat.
  4. Bau die kleinste Version diese Woche, lass eine echte Eingabe durchlaufen, behebe, was schiefgeht.
  5. Leg einen Kundenordner an, getrennt von allem Persönlichen. Schreib ein Löschdatum drauf.

Wenn der Assistent dir ein paar Stunden pro Woche zurückgibt, steck sie in Kundengespräche. Ein kostenloses Profil auf 9am ist ein Ort, an dem sie anfangen können.

Freelance Unlocked wird von 9am gemeinsam mit Uplink und freelancermap organisiert. Dieser Artikel greift die Sessions von Lucas Chevillard und Fabian Werkmeister bei Freelance Unlocked 2026 auf. Die ganzen Vorträge findest du oben im Video: freelanceunlocked.com.

Blago Yanakiev

Co-founder & CPO

Blago ist Produktmensch und SaaS-Gründer. Bei 9am verantwortet er das Produkt, bei der Freelance-Unlocked-Konferenz Events und Growth.

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