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Back Was erfolgreiche Unternehmer anders machen: 7 Muster aus zehn Jahren Gründerpraxis

Was erfolgreiche Unternehmer anders machen: 7 Muster aus zehn Jahren Gründerpraxis

Muster erfolgreicher Unternehmer: welche Gewohnheiten und Entscheidungen Macher von Träumern unterscheiden.

Blago Yanakiev
Blago Yanakiev

Jun 12, 2025

Mindset Wachstumsstrategie Inspiration

Eine unbequeme Zahl für alle, die auf einer Geschäftsidee sitzen: In Deutschland sagt rund die Hälfte der Erwachsenen, dass die Angst vor dem Scheitern sie von einer Gründung abhalten würde. Zugleich trauen sich nur etwa 41 % die nötigen Fähigkeiten zu. Dabei gehören deutsche Freelancer und Gründer objektiv zu den bestausgebildeten Fachkräften Europas. Der Engpass ist selten die Kompetenz. Er sitzt zwischen den Ohren.

Genau diese Lücke, zwischen dem, was Menschen können, und dem, was sie sich zutrauen, war das Thema der Bonus-Session von Hanna Oeljeschläger bei Freelance Unlocked 2025.

Oeljeschläger ist seit 2016 Unternehmerin. Ihr Weg führte von der Tech-Beratung in Irland über Berlin nach München, wo sie ein sechsstelliges Tech-Startup aufbaute, bevor sie anfing, Gründer zu coachen. Ihr Talk verdichtet, was sie bei „so vielen Startups, so vielen Gründern, so vielen Menschen aus verschiedenen Branchen“ beobachtet hat, zu sieben Mustern. Das eine Muster, das alle erwarten, lässt sie demonstrativ weg: „Die erste Eigenschaft, und das mag manche überraschen, ist nicht Product-Market-Fit. Es ist nicht die große Idee, nicht das Business-Genie.“

Erst der Glaube, dann die Strategie. Und die Forschung gibt ihr weitgehend recht

Ihr erstes Muster ist unbequem direkt: Du musst glauben, dass Erfolg für dich möglich ist, nicht für Gründer im Allgemeinen.

„Wenn du dir selbst nicht vertraust, wer dann? Niemand sonst wird daran glauben. Niemand kann dir folgen, wenn du selbst nicht glaubst, dass es möglich ist.“ (Hanna Oeljeschläger)

Zitate aus dem Englischen übersetzt.

Das klingt nach Motivationstapete, bis man merkt: Es ist eines der meistuntersuchten Konstrukte der Gründungsforschung. Psychologen nennen es unternehmerische Selbstwirksamkeit, und ein Systematic Review von Newman und Kollegen im Journal of Vocational Behavior zeichnet jahrzehntelange Belege dafür nach, dass sie mit unternehmerischen Absichten und Handeln zusammenhängt. Der ehrliche Vorbehalt: Dieselbe Übersichtsarbeit fordert bessere Messmethoden und merkt an, dass die Forschung noch nicht ausreichend geklärt hat, ob zu viel Selbstwirksamkeit nach hinten losgeht. Der Glaube ist eine Voraussetzung, keine Garantie.

Nützlich wird ihre Version dadurch, dass sie diesen Glauben als etwas behandelt, das man aufbauen kann, nicht als angeboren. Zwei Hebel: Umgib dich mit Menschen, „die vielleicht zwei Schritte weiter sind als du“ (nicht zehn, das zieht runter), und investiere in deine Fähigkeiten, denn Können verzinst sich zu Selbstvertrauen, und „deine Kunden werden spüren, dass du wirklich etwas draufhast“. Bei den meisten Freelancern, die sie trifft, hakt es nicht am Können: „Das Hauptproblem wird in deinem eigenen Kopf liegen.“

Der deutsche Kontext macht das greifbar. Der GEM-Länderbericht für Deutschland verzeichnet für 2024 einen Anstieg der Gründungsaktivität in der Frühphase auf 9,8 %, ein echter Sprung. Trotzdem nennen weiter 49 % der Befragten die Angst vor dem Scheitern als Hürde. Die Aktivität steigt trotz dieses Mindsets, nicht weil das Problem gelöst wäre.

Das Warum steht fest, das Wie bleibt beweglich

Ihr zweites und viertes Muster gehören zusammen: ein starkes Warum haben und beim Wie radikal offen bleiben. Das Warum kann nicht „viel Geld verdienen“ sein. Damit, witzelt sie, kommst du mit Glück in den fünfstelligen Bereich. Es ist dein „inneres GPS“, der Punkt, zu dem du zurückkehrst, wenn die Familie fragt, ob du dir das gut überlegt hast.

Beim Wie gilt das genaue Gegenteil:

„Chancen klopfen selten an. Sie flüstern.“ (Hanna Oeljeschläger)

(Sie illustriert das mit einer Anekdote aus The Secret, kein Buch, das wir als Beleg zitieren würden. Schält man die Verpackung ab, hält ihre eigentliche These aber seriöser Forschung stand.) Saras Sarasvathys wegweisende Studie über erfahrene Unternehmer, erschienen im Academy of Management Review, zeigt: Routinierte Gründer starten nicht mit einem festen Ziel, von dem sie den Weg rückwärts konstruieren. Sie starten mit ihren Mitteln (wer sie sind, was sie wissen, wen sie kennen) und behandeln Überraschungen als Rohstoff statt als Störung. Sarasvathys eigener Satz könnte als Untertitel über diesem Teil des Talks stehen: „Soweit wir die Zukunft kontrollieren können, müssen wir sie nicht vorhersagen.“

Oeljeschlägers Praxisversion von Effectuation: „Wenn dein Wie sich ändern muss, lass es sich ändern. Dein Warum sollte sich nicht ändern.“ Bring früh ein MVP raus, hör genau aufs Marktfeedback, wechsle notfalls Zielgruppe oder Angebot. Verwechsle nur nie einen Kurswechsel in der Methode mit einer Sinnkrise.

Ohne Risiko geht es nicht, schon gar nicht hier

Das Muster, das ihrer Erfahrung nach am zuverlässigsten die Unternehmer, die durchhalten, von denen trennt, die nach zwei Jahren aufgeben: die Bereitschaft, Risiken einzugehen.

„Risiken sind nicht leichtsinnig. Sie sind notwendig. Risikobereitschaft ist essenziell, gerade auch in Deutschland. Das kann man gar nicht oft genug sagen.“ (Hanna Oeljeschläger)

Das „gerade in Deutschland“ sitzt, weil die Zahlen es stützen. Der KfW-Gründungsmonitor 2025 zählte 585.000 Gründerinnen und Gründer in Deutschland im Jahr 2024. Er fand aber auch: Rund 36 % derer, die aktiv eine Gründung planen, geben den Plan jedes Jahr wieder auf. Ein großer Teil des deutschen Unternehmertums stirbt in der Planungsphase, bevor der Markt je abstimmen durfte.

Wichtig ist, was sie nicht sagt. Notwendiges Risiko ist kein blindes Risiko: Sie hat Startups gesehen, die zu schnell in die USA skalierten und binnen eines Jahres pleite waren. Ihre Justierung: Geh Risiken in MVP-Größe ein, nicht in der Größe eines New Yorker Büros. Such dir ein Gegengewicht, idealerweise einen Mitgründer oder ein Netzwerk mit Stärken, die deinen entgegengesetzt sind („wenn einer der Controller ist, richtig gut mit Zahlen, sollte der andere eher aus Marketing und Kreation kommen“). Und verbuche Rückschläge als Lehrgeld. Das deckt sich fast eins zu eins mit Sarasvathys Prinzip des „affordable loss“ (leistbarer Verlust): Erfahrene Gründer legen fest, was sie verlieren können, und handeln dann, statt alles auf eine prognostizierte Rendite zu setzen.

Und wenn das Risiko sich nicht auszahlt?

„Scheitern ist nicht das Gegenteil von Erfolg. Es ist eine unverzichtbare Zutat.“ (Hanna Oeljeschläger)

Scheitern ist in ihrer Lesart Information. Ist der Markt schon so weit? Stimmt die Zielgruppe nicht? Wurde das Produkt missverstanden? Die Frage lautet nie „Soll ich aufhören?“, sondern „Was lerne ich hier?“.

Handeln ist der Filter

Ihr letztes Muster ist das unglamouröseste und das entscheidendste. Nach all den Büchern, Masterclasses und Feedbackrunden:

„Dann bist du schon besser als 90 % der Startups, wenn du einfach ins Handeln kommst. Denn die meisten Leute tun es nie.“ (Hanna Oeljeschläger)

Wie hoch der wahre Prozentsatz auch liegt, die KfW-Abbruchdaten bestätigen die Richtung: Der Friedhof des deutschen Unternehmertums ist voll mit gründlich recherchierten Plänen, die nie einen Kunden gesehen haben. Geh an den Markt, bevor es perfekt ist. Justiere unterwegs nach.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schreib deine Dezember-Vision auf. Oeljeschläger eröffnet ihren Talk nicht zufällig damit: Wenn du dir das erfolgreiche Jahr nicht vorstellen kannst, wirst du es nicht bauen.
  • Sortiere dein Umfeld. Such dir Menschen, die zwei Schritte weiter sind: eine Community, einen Mentor oder Coach mit ähnlichen Werten. „Dein Netzwerk ist dein Kapital“, sagt sie, „und das ist mehr als ein Kalenderspruch.“ Es spart Zeit, Geld und Nerven, besonders im Umgang mit deutscher Bürokratie.
  • Trenn Warum und Wie. Häng das Warum dorthin, wo du es siehst. Miss jeden Kurswechsel daran.
  • Bemiss deine Risiken als leistbare Verluste. Wetten in MVP-Größe, dann anhand von Marktfeedback nachschärfen. Kein Imperium im ersten Jahr.
  • Deute diese Woche ein Scheitern um. Schreib auf, was es dich über Markt, Zielgruppe oder Positionierung gelehrt hat, und handle danach.
  • Bring diesen Monat etwas Unfertiges raus. Handeln ist der Sortiermechanismus.

Nichts davon ersetzt Strategie. Oeljeschläger sagt klar, dass Positionierung, Finanzen und ein solides Angebot Grundvoraussetzungen sind. Aber in einem Land, in dem Können reichlich vorhanden ist und Selbstvertrauen knapp, lohnt sich die Arbeit am Mindset am meisten.

Freelance Unlocked wird von 9am gemeinsam mit Uplink und freelancermap organisiert. Dieser Artikel basiert auf Hanna Oeljeschlägers Session bei Freelance Unlocked 2025. Den kompletten Talk siehst du oben im Video, und bei der nächsten Ausgabe bist du am besten selbst dabei: freelanceunlocked.com.

Blago Yanakiev

Co-founder & CPO

Blago ist Produktmensch und SaaS-Gründer. Bei 9am verantwortet er das Produkt, bei der Freelance-Unlocked-Konferenz Events und Growth.

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