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Back Freelancer oder Festanstellung? So rechnest du Gehalt in Tagessatz um (und zurück), Stand 2026

Freelancer oder Festanstellung? So rechnest du Gehalt in Tagessatz um (und zurück), Stand 2026

800 € am Tag sind kein 200.000-€-Gehalt. Mit 187 abrechenbaren Tagen, den 21 % des Arbeitgebers und Krankheitstagen sind es eher 110.000 €.

Marc Clemens
Marc Clemens

Okt 08, 2026

Preisgestaltung Finanzen Einstieg ins Freelancing
Kurz gesagt

Tagessatz und Gehalt sind zwei verschiedene Arten von Zahlen, und wer die eine in die andere multipliziert, verrechnet sich in beide Richtungen. Im Bruttogehalt stecken rund 21 % nicht drin, die der Arbeitgeber obendrauf in die Sozialversicherung zahlt, dazu 30 bezahlte Urlaubstage, Feiertage und im Schnitt 19,5 Krankheitstage bei vollem Lohn. Ein Tagessatz muss das alles aus etwa 187 abrechenbaren Tagen finanzieren, plus Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung allein. 800 € am Tag entsprechen etwa 110.000 bis 120.000 € Gehalt, nicht 200.000 €. Ein 70.000-€-Gehalt braucht rund 500 bis 540 € am Tag, nur um auf null zu kommen.

"800 € am Tag? Das sind 200.000 € im Jahr." Den Satz hörst du von Recruitern, von Freunden, die mit dem Gedanken spielen, und von Freelancern, die sich ihren Satz schönreden wollen. Er stimmt ungefähr zur Hälfte. Andersherum stimmt er genauso wenig: Wer mit 70.000 € Gehalt kündigt und 350 € am Tag verlangt, "weil ich das jetzt auch verdiene", ist im Frühjahr ärmer als vorher.

Dieser Artikel rechnet sauber um, in beide Richtungen, mit den Zahlen für 2026. Die Tageszahl übernehmen wir aus unserer 187-Tage-Formel, ohne sie neu herzuleiten.

Was im Gehalt versteckt ist

Nimm 70.000 € brutto. So steht es im Arbeitsvertrag. Es ist weder das, was der Arbeitgeber zahlt, noch das, was bei dir ankommt.

Der Arbeitgeberanteil. 2026 zahlt der Arbeitgeber zusätzlich zum Brutto die Hälfte der Krankenversicherung (7,3 % plus die Hälfte des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von 2,9 %), 1,8 % Pflegeversicherung, 9,3 % Rente und 1,3 % Arbeitslosenversicherung, so die Beitragstabelle 2026 der TK. Zusammengerechnet sind das rund 21 % vom Brutto, unsere Rechnung aus der Tabelle. Zwei Posten kommen noch dazu und lassen sich nicht in eine Zahl pressen: die gesetzliche Unfallversicherung, die jede Berufsgenossenschaft nach Branche festlegt, und die U1/U2-Umlagen, aus denen kleine Arbeitgeber Lohnfortzahlung und Mutterschutz erstattet bekommen. 21 % sind also die Untergrenze.

Die Prozente laufen nur bis zu den Beitragsbemessungsgrenzen, die die Rechengrößenverordnung 2026 des BMAS auf 69.750 € im Jahr für Kranken- und Pflegeversicherung und 101.400 € für Rente und Arbeitslosenversicherung setzt. Darüber schrumpft der Arbeitgeberanteil prozentual. Das spielt beim 800-€-Beispiel gleich eine Rolle.

Bezahlte Zeit ohne Arbeit. Unbefristet Beschäftigte haben laut einer IAB-Befragung, veröffentlicht im Dezember 2025 mit Daten aus 2023, im Schnitt 30 Urlaubstage im Jahr (befristet: 28,3). Dazu neun bundesweite Feiertage, je nach Bundesland zehn bis dreizehn. Dazu Krankheit: DAK-versicherte Beschäftigte waren 2025 im Schnitt 19,5 Kalendertage krankgeschrieben, so der DAK-Report vom Januar 2026, die ersten sechs Wochen jeder Erkrankung bei vollem Lohn.

Nichts davon steht in den 70.000 €. Alles davon wird bezahlt.

Was im Tagessatz versteckt ist

Die 800 € eines Freelancers sind Umsatz, kein Einkommen. Bevor daraus etwas Gehaltsähnliches wird, müssen sie decken:

  • Betriebskosten. Freelancer in DACH geben laut Freelancer-Kompass 2026 im Schnitt 783 € im Monat für Software, Hardware, Versicherungen, Weiterbildung und Buchhaltung aus. Rund 9.400 € im Jahr.
  • Kranken- und Pflegeversicherung, beide Hälften. Freiwillig Versicherte zahlen die vollen 14,6 % plus 2,9 % Zusatzbeitrag plus 3,6 % Pflege (4,2 % ohne Kinder) auf Einkommen bis zur Grenze von 69.750 €. An der Grenze sind das etwa 1.226 € im Monat mit Kindern und 1.261 € ohne, also 14.700 bis 15.100 € im Jahr. Details in unserem Überblick zur Krankenversicherung für Freelancer.
  • Rente. Es wird nichts automatisch abgezogen, und niemand legt eine Arbeitgeberhälfte dazu. Willst du sparen, was Angestellter und Arbeitgeber zusammen in die gesetzliche Rente zahlen, sind das 18,6 % des Einkommens bis 101.400 €.
  • Arbeitslosenversicherung. Nur per Antrag nach § 28a SGB III, innerhalb von drei Monaten nach dem Start. Der Beitrag beträgt 2,6 % der Bezugsgröße 2026 von 3.955 € (§ 341 und § 345b SGB III): 102,83 € im Monat, im Gründungsjahr und im Jahr danach die Hälfte. Frist und Auffangnetz stehen in unserem Artikel zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung.
  • Berufsunfähigkeit und Krankentagegeld. Privat, nach Alter und Beruf bepreist, hier nicht eingerechnet. Plane es ein.
  • Die Tage, die du nicht verkaufen kannst. Urlaub, Feiertage und Weiterbildung stecken schon in den 187 Tagen. Krankheitstage nicht. 19,5 Kalendertage sind etwa 14 Arbeitstage, unsere Umrechnung, und jeder davon ist ein Tagessatz, den du nicht in Rechnung stellst.

Rechenbeispiel: 800 € am Tag in ein Gehalt

Umsatz: 800 × 187 = 149.600 €.

Jetzt ziehst du ab, worüber Angestellte nie nachdenken müssen.

  • Betriebskosten: rund 9.400 €
  • Kranken- und Pflegeversicherung an der Grenze, kinderlos: rund 15.100 €
  • Rentensparen wie die 18,6 % eines Angestellten auf 101.400 €: rund 18.900 €
  • Freiwillige Arbeitslosenversicherung: rund 1.200 €
  • Krankheitstage, 14 × 800 €: 11.200 €

Bleiben rund 93.800 € vor Einkommensteuer, mit Rente, Krankenversicherung und Arbeitslosenschutz finanziert, aber ohne BU und ohne Puffer für Projektlücken. Lass die Krankheitszeile weg, weil du dieses Jahr Glück hattest, und es sind 105.000 €.

Zum Vergleich ein Angestellter mit 100.000 € brutto. Seine eigenen Abzüge liegen 2026 bei rund 18.400 € (Kranken- und Pflegeversicherung auf 69.750 €, Rente und Arbeitslosenversicherung auf 100.000 €), es bleiben rund 81.600 € vor Einkommensteuer, alles oben Genannte ist schon bezahlt, 30 freie Tage inklusive. Den Arbeitgeber kostet diese Person rund 118.000 €; der Aufschlag liegt hier näher an 18 % als an 21 %, weil Kranken- und Pflegeversicherung gedeckelt sind.

800 € am Tag liegen also irgendwo zwischen einem 100.000- und einem 120.000-€-Angestellten, je nachdem, wie du Lohnfortzahlung bewertest und wie viele Tage du wirklich verkaufst. Die 200.000 € setzen 250 abrechenbare Tage voraus, keine Versicherung, keine Kosten, keine Krankheit. So ein Jahr hat niemand.

Rechenbeispiel: 70.000 € Gehalt in einen Tagessatz

Ausgangspunkt ist, was der Angestellte vor Einkommensteuer behält: 70.000 € minus eigene Beiträge (2026 rund 15.200 €, kinderlos) sind etwa 54.800 €.

Um als Freelancer auf dieselben 54.800 € zu kommen, musst du sie verdienen plus alles, was vorher Arbeitgeber und Lohnabrechnung erledigt haben:

  • Kranken- und Pflegeversicherung, voller Satz auf 69.750 €: rund 15.100 €
  • Rentensparen mit 18,6 % von 70.000 €: rund 13.000 €
  • Freiwillige Arbeitslosenversicherung: rund 1.200 €
  • Betriebskosten: rund 9.400 €

Summe: rund 93.600 € Umsatz. Geteilt durch 187 Tage: 500 € am Tag. Mit 14 Krankheitstagen als Reserve und geteilt durch 173: 541 €. Das ist die Nulllinie, vor der ersten Woche ohne Projekt und vor jeder BU. Ein Tagessatz von 350 € "weil das mein Gehalt ist" liefert nach denselben Abzügen ungefähr das Vorsteuer-Einkommen eines Angestellten mit 36.000 €.

Die Stundenvariante derselben Rechnung, mit eingebautem Puffer für Projektlücken, steht in unserem Überblick zum Stundensatz berechnen.

Wo der Markt steht

Zwei Bezugspunkte, beide aus 2026. Der Stepstone Gehaltsreport 2026 nennt für Deutschland ein Bruttomediangehalt von 53.900 € (Durchschnitt 59.100 €) aus 1,33 Millionen Datensätzen. Der Freelancer-Kompass 2026 nennt einen durchschnittlichen Stundensatz von 103 € in DACH, bei 12 % nicht abrechenbarer Arbeitszeit.

Vergleich die beiden Zahlen nicht direkt. Die eine ist ein Brutto vor dem Arbeitgeberanteil. Die andere ist ein Satz vor Betriebskosten, vollen Beiträgen und unverkauften Tagen. Der einzige faire Vergleich ist: Gesamtkosten des Arbeitgebers pro Angestelltem gegen den Umsatz, den ein Freelancer braucht. Genau das machen die beiden Beispiele oben.

Was du am Montag tust

  1. Zähl deine echten Tage aus den Rechnungen vom letzten Jahr. Sind es 150, rechne beide Beispiele mit 150 durch. Die Umrechnung wird schnell schlechter.
  2. Leg die fünf Freelancer-Zeilen in eine Tabelle: Betriebskosten, volle Kranken- und Pflegeversicherung, Rentensparen, Arbeitslosen-Opt-in, Krankheitsreserve. Aktualisier die Grenzen jeden Januar.
  3. Wenn du angestellt bist und überlegst: Brutto minus eigene Abzüge, plus die vier Zeilen oben, geteilt durch 187. Das ist deine Untergrenze, nicht dein Ziel.
  4. Wenn du freelancst und ein Recruiter ein Gehalt bietet: Tagessatz mal echte Tage, minus die fünf Zeilen, und erst dann vergleichen. Frag dich, was dir deren 21 % obendrauf an Absicherung wert sind, die du heute selbst kaufst.
  5. Prüf das § 28a-Fenster. Liegt dein Start weniger als drei Monate zurück, ist der Opt-in in die Arbeitslosenversicherung noch offen. Danach ist er endgültig zu.

Der Satz sagt dir, was ein Tag wert sein muss. Die Arbeit besteht darin, die Tage zu füllen. Mit einem kostenlosen Profil auf 9am siehst du Unternehmen aus der ganzen DACH-Region, die Freelancer suchen, und die Projektsuche läuft über mehr als 100 Jobbörsen. So werden aus den 187 eher wirklich 187.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung aus der Praxis und ersetzt keine steuerliche, rechtliche oder finanzielle Beratung.

Marc Clemens

Founder & Product Builder

Marc baut seit über zehn Jahren Recruiting- und Job-Marktplätze. Mit 9am will er Freelance-Arbeit für beide Seiten einfacher machen, nebenbei organisiert er die Freelance-Unlocked-Konferenz.

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