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Freelancer oder Solopreneur? Der Koch-oder-Chefkoch-Test in sechs Fragen

Nach zehn Jahren hast du in zwanzig Küchen gekocht und suchst immer noch die nächste. Sechs Fragen zeigen, ob du Koch oder Chefkoch bist.

Blago Yanakiev
Blago Yanakiev

Sep 03, 2026

Wachstumsstrategie Mindset Einstieg ins Freelancing
Kurz gesagt

Ein Koch kocht Gerichte in fremden Küchen und tauscht Zeit gegen Geld. Ein Chefkoch besitzt das Restaurant: die Karte, die Gäste, die Abläufe. Ricardo Britos Punkt bei Freelance Unlocked war nicht, dass eins besser ist. Sondern dass die meisten Freelancer Köche sind, die sich für Chefköche halten, und genau dieser Widerspruch sie nach zehn Jahren immer noch die nächste Küche suchen lässt. Sechs Fragen unten zeigen dir, was du heute bist. Bist du Koch, sei der beste. Willst du das Restaurant, zeigen Bao Hanh Nguyens achtzehn Monate, was es kostet: ein Thema, viele Absagen und Inhalte, die nach dir klingen.

"Solopreneur" ist entweder die Zukunft des Freelancings oder ein neues Etikett für Leute, die Kurse verkaufen. Ricardo Brito, portugiesischer Designer und heute Coach für Solo-Businesses, der mit dem Solo Accelerator ein Programm genau für diesen Übergang betreibt, lieferte bei Freelance Unlocked die brauchbarste Definition des Jahres. Sie passt auf eine Speisekarte.

Koch oder Chefkoch

Geh in irgendeine Küche, und alle sehen auf dieselbe Art beschäftigt aus. Bleib lang genug, und du siehst zwei Berufe. Der Koch führt ein Gericht aus: sehr gut im Schneiden und Anrichten, Jahre bis zur Meisterschaft, bezahlt pro Schicht. Der Chefkoch entscheidet, welches Gericht gekocht wird, warum es auf der Karte steht, wie es Geld verdient und welches Erlebnis es schafft. Beides sind echte Berufe. Man kann mit beiden ein ganzes Leben leben.

"Wenn du ein Koch bist, der als Chefkoch auftritt, hast du ein Problem. Wenn du ein Chefkoch bist, der als Koch arbeitet, hast du ein anderes." (Ricardo Brito)

Der Freelancer ist in Ricardos Bild der Koch: von Küche zu Küche, sammelt Messer und ist auf jedes stolz. Der Solopreneur ist der Chefkoch, der ein Restaurant baut.

"Du ziehst von Küche zu Küche. Du bist eine Art Söldner. Du gehst von Ort zu Ort und hast eine tolle Zeit, aber nichts baut sich auf. Nach zehn Jahren hast du in zwanzig verschiedenen Küchen gearbeitet, aber du musst immer noch die nächste Küche suchen." (Ricardo Brito)

Vor vier Jahren, sagt er, war er selbst ein Koch, der Chefkoch spielte: zu viele Kunden, zu wenig Prozesse, Gerichte, die manchmal ankamen und manchmal nicht, Budgets quer über die Skala. Die Lösung war kein zusätzliches Produkt. Es war die Entscheidung, welches Restaurant er führt und für wen.

Die sechs Fragen

Beantworte jede ehrlich, schriftlich. Zähl, wie oft du rechts landest.

1. In wessen Küche stehst du? Koch: Ich arbeite in den Teams, Tools und Prioritäten meiner Kunden; endet ein Projekt, beginnt die Suche von vorn. Chefkoch: Kunden kommen in meinen Prozess, meine Arbeitsweise, zu meinen Bedingungen.

2. Für wen ist dein Restaurant? Koch: für alle, die dieses Quartal Budget für meine Skills haben. Chefkoch: für einen bestimmten Kundentyp mit einem bestimmten Problem, und ich kann beides in einem Satz nennen. Ricardos eigene Antwort nennt zwei Gruppen: erfahrene Freelancer, die nie Vertrieb oder Marketing machen mussten und jetzt schwer Aufträge finden, und Leute, die aus dem Konzern kommen und bewusst ein Solo-Business aufbauen. Wenn du diesen Satz nicht füllen kannst, kennst du dein Restaurant nicht, und ohne Restaurant kannst du weder Karte noch Preis gestalten.

3. Was steht auf der Karte? Koch: alles, was je ein Kunde wollte. Grafikdesign, dann Branding, dann ein Workshop, dann eine Landingpage, ein Gericht nach dem anderen aus Angst, Geschäft zu verlieren, bis die Karte zwanzig Seiten hat und niemand daraus bestellt. Chefkoch: eine Vorspeise, ein Hauptgericht, ein Signature Dish, für das man dich kennt, und eine klare Antwort darauf, was du nicht servierst.

4. Redest du über Messer oder über Gerichte?

"Wir reden ständig über Messer. Wir reden ständig über den Ofen. Wir reden nicht über die Gerichte, die Ergebnisse, die wir für unsere Kunden schaffen." (Ricardo Brito)

Koch: Mein Profil listet Tools, Skills, Zertifikate und Prozess. Chefkoch: Mein Profil sagt, was sich für den Kunden ändert, und die Tools kommen, wenn er fragt. Das Angestelltendasein hat uns beigebracht, Fähigkeiten zu beweisen. Kunden wollen kurz prüfen, ob du das Ergebnis liefern kannst. Das Wie kommt später.

5. Läuft die Küche, wenn du nicht da bist? Koch: Wenn ich aufhöre, steht alles. Chefkoch: Es gibt Abläufe, Schritte, Kosten und eine Logik dahinter, warum welche Gerichte existieren. Eine echte Küche läuft weiter, wenn der Chefkoch rausgeht. Ricardo hat Onboarding, ein CRM und Automatisierungen gebaut, die er Kunden gegenüber nie erwähnt, weil sie Backend sind. Aber sie sind da.

6. Baut sich etwas auf? Koch: Jedes Projekt endet und hinterlässt eine Referenz, eine Rechnung und wenig sonst. Chefkoch: Jedes Jahr hinterlässt Vermögenswerte, die das nächste leichter machen: ein Werk, ein Publikum, ein wiederholbares Angebot, ein Netzwerk, das Leute schickt.

Sechsmal Koch: Du bist Koch, und das ist ein echter Beruf. Ricardo verlangt nur eins, Absicht: Sei der beste Koch, der du sein kannst, und hör auf, Chefkoch zu spielen. Sechsmal Chefkoch: Du baust ein Restaurant, und die Frage ist nur, welches. Alles dazwischen ist die unbequeme Mitte, vor der er warnt. Das Muster, auf das du achten solltest: Koch bei 1, 3 und 4, Chefkoch bei 2 und 6. Also eine Spezialistin mit echter Expertise und wachsendem Ruf, die trotzdem Messer pro Schicht verkauft.

Was die Zahlen über die Mitte sagen

Die Mitte ist voll, und sie füllt sich weiter. Upworks Future Workforce Index 2026, eine Befragung von 2.400 US-Beschäftigten im März und April 2026, veröffentlicht von einem Marktplatz mit Interesse am Ergebnis, sieht den Anteil qualifizierter Freelancer unter qualifizierten Wissensarbeitern von 28 % (2025) auf 38 % (2026) steigen, und 58 % der Vollzeitangestellten erwägen den Schritt, nach 36 % im Vorjahr. Bei KI-Agenten liegen Freelancer mit 41 % vor Angestellten mit 34 %. Anbieterdaten, nur USA, aber die deutschen Gründungszahlen zeigen in dieselbe Richtung: Der KfW-Gründungsmonitor 2026 zählt rund 690.000 Gründungen im Jahr 2025, 86 % davon solo, und 57 % berichten Schwierigkeiten bei der Kundengewinnung. Mehr Köche, alle auf Küchensuche. Ein sehr guter Koch zu sein ist eine schwerer zu haltende Position als früher.

Was das Restaurant wirklich kostet

Bao Hanh Nguyen, KI- und Design-Thinking-Coach am Hasso-Plattner-Institut, ist im dritten Jahr selbstständig und hat dem Saal erzählt, wie ihr Wechsel vom Koch zum Chefkoch von innen aussah. Im Januar 2025 wurde ein bereits unterschriebener Langzeitvertrag als IT-Produktmanagerin kurzfristig aufgelöst. Sie war krank, einsam und kurz davor, sich wieder auf Jobs zu bewerben.

Stattdessen wählte sie ein Restaurant: Frauen an die Spitze der KI-Entwicklung bringen, mit Lernprogrammen. Achtzehn Monate später hatte sie, nach eigener Zählung von der Bühne, über 7.000 neue LinkedIn-Follower, 3.000 Newsletter-Abonnentinnen, mehr als 2.000 Frauen in ihren Programmen und acht Lernprodukte. Das sind ihre Zahlen, keine geprüften. Übertragbar sind die Entscheidungen dahinter.

Sie begann mit einem Blick auf ihr altes Profil:

"Warum sollte man eine Person buchen, die drei Sachen macht, wenn man eine Person buchen könnte, die genau eine Sache richtig gut macht?" (Bao Hanh Nguyen)

Design-Thinking-Coaching, IT-Produktmanagement, Workshop-Moderation. Niemand hat es gebucht. Ein Satz ersetzte die drei, und der funktionierte.

Das Schwerste war nicht der Satz. Es war der Spruch, den sie sich immer wieder vorsagte: "You have to decline." Arbeit ablehnen, die schnell Geld brachte und nichts aufbaute.

"Wenn man als Freelancerin arbeitet, erstellt man Sachen für Kunden, aber wenn die Kunden das dann haben und glücklich sind, dann brauchen sie dich vielleicht auch nicht mehr. Und was hast du dir währenddessen selber aufgebaut?" (Bao Hanh Nguyen)

Das ist Ricardos Frage 6, gestellt von der anderen Seite der Rechnung. Ihre Arbeitsgewohnheiten sind Chefkoch-Gewohnheiten: Sie verkaufte das erste Programm, bevor es existierte, hatte drei Tage vor dem Start über 300 Anmeldungen und baute dann jede Woche aus dem Feedback der Teilnehmerinnen; sie plant Inhalte fünf Wochen im Voraus; sie erstellt ihre KI-Materialien alle drei Monate neu, weil die Tools sich bewegen; und sie lässt die persönlichen Geschichten drin, weil in einem Feed voller generierter Texte der menschliche Ton das Einzige ist, was nicht kopiert wird. Ihr Satz zum Umdenken: Ihr Business ist durch sie selbst begrenzt, deshalb entpuppte sich der größte Teil der Arbeit als Arbeit an sich selbst.

Welches Restaurant

Landest du auf der Chefkoch-Seite und willst die Landkarte, haben wir die Routen beschrieben: digitale Produkte für eine Company of One, die fünf Wege vom Freelancer zum Unternehmen und was wirklich hinter einem skalierbaren Solo-Business mit 100k im Monat steckt. Ricardos eigene Antwort auf "wann sollte der Wechsel passieren" lautet: so früh wie möglich, weil deine Expertise als Freelancer ohnehin das Produkt des Solo-Business ist, und wer die Prozesse früh baut, wird auch als Freelancer besser.

Eine Warnung aus seinem Q&A für alle in der Flaute: Dein Wunschkunde ist vielleicht nicht der, der jetzt zahlt. Ist dein Angebot ein Nice-to-have, verschieb es auf ein Must-have-Problem oder finde den Winkel, den deine Kunden nicht aufschieben können.

Was du am Montag tust

  1. Mach den Test schriftlich. Sechs Fragen, eine Zeile pro Frage, Koch oder Chefkoch. Datum drunter, für den Vergleich in einem Jahr.
  2. Schreib deinen Restaurant-Satz. "Ich arbeite mit [Kundentyp], die [konkretes Problem]." Brauchst du mehr als einen Satz, hast du zwei Restaurants oder keins.
  3. Schreib einen Profilabsatz von Messern auf Gerichte um. Nimm dein 9am-Profil oder deine LinkedIn-Zusammenfassung, streich jedes Tool und jeden Skill aus den ersten drei Zeilen und ersetz sie durch das, was sich für den Kunden ändert.
  4. Benenn dein Signature Dish. Das eine, wofür du bis Dezember bekannt sein willst. Alles auf der Karte, was nicht darauf einzahlt, wandert nach unten oder runter.
  5. Sag diesen Monat einmal ab. Baos Regel. Nimm die nächste Anfrage, die zahlt, aber nichts aufbaut, und lehn sie bewusst ab, damit du weißt, wie sich das anfühlt.

Koch oder Chefkoch, das Restaurant braucht Gäste. Ein kostenloses Profil auf 9am, geschrieben in Gerichten statt in Messern, ist der Weg, auf dem Unternehmen in der ganzen DACH-Region das eine finden, was du richtig gut kannst. Und ein voller Kalender ist die beste Position, um zu entscheiden, was du als Nächstes baust.

Zitate von Ricardo Brito aus dem Englischen übersetzt.

Freelance Unlocked wird von 9am gemeinsam mit Uplink und freelancermap organisiert. Dieser Artikel greift die Sessions von Ricardo Brito und Bao Hanh Nguyen bei Freelance Unlocked 2026 auf. Die ganzen Vorträge findest du oben im Video: freelanceunlocked.com.

Blago Yanakiev

Co-founder & CPO

Blago ist Produktmensch und SaaS-Gründer. Bei 9am verantwortet er das Produkt, bei der Freelance-Unlocked-Konferenz Events und Growth.

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