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GmbH als Freelancer: Wann sich die Gründung wirklich lohnt

Bei jeden 10.000 € über deinen Lebenshaltungskosten verschenkst du 1.200 € Steuer. Alexander Keck erklärt, wann sich die GmbH lohnt.

Marc Clemens
Marc Clemens

Jul 23, 2024

Recht Steuern Finanzen

Für jede 10.000 €, die du mehr verdienst als du zum Leben brauchst, verschenkst du als erfolgreicher Einzelunternehmer rund 1.200 € an das Finanzamt. Nicht durch Fehler in der Steuererklärung, sondern durch die Rechtsform. Das war die Kernrechnung von Alexander Keck bei Freelance Unlocked 2024, Unternehmer und Autor des Buchs „Weniger Steuern & mehr Vermögen". Seine Mission nennt er Steuerbildung: abstrakte Steuerthemen so herunterbrechen, dass man als Normalmensch eigene Entscheidungen treffen kann.

Zwei Mythen, die dich keinen Cent sparen

Bevor Alexander zur GmbH kam, räumte er mit zwei Klassikern auf.

Mythos 1: Belege sammeln spart Steuern. Betriebsausgaben gehören natürlich dokumentiert. Aber wer abends beim Essen mit Freunden die fremde Rechnung einsteckt, betreibt in seinen Worten „Steuerhinterziehung für wirklich Peanuts". Und riskiert mehr als die paar Euro: Fällt so etwas in einer Prüfung auf, zweifelt das Finanzamt plötzlich auch die echten Betriebsausgaben an.

Mythos 2: Die Steuererklärung ist der Ort zum Steuernsparen. Wenn die Erklärung fällig ist, ist steuerlich schon alles passiert. Du deklarierst nur noch.

„So richtig Steuern sparst du nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft." (Alexander Keck)

Der größte Hebel für zukünftige Entscheidungen ist laut Alexander die Rechtsform.

Das Problem: Ein Trichter für alles

Die meisten Freelancer starten als Einzelunternehmen, ob freiberuflich oder gewerblich. Für den Anfang völlig richtig, sagt Alexander, die Hürde ist am niedrigsten. Der Haken: Dein gesamtes Einkommen läuft durch einen einzigen Steuertrichter. Freelance-Honorare, Mieteinnahmen, alles landet in deiner persönlichen Einkommensteuer, egal ob du das Geld zum Leben brauchst oder eigentlich investieren willst.

Und dieser Trichter wird schnell teuer. Entscheidend ist der Grenzsteuersatz, also die Belastung auf jeden zusätzlich verdienten Euro. 2024 bleiben die ersten 11.604 € steuerfrei, danach steigt der Satz in mehreren Stufen an, bis ab 66.761 € zu versteuerndem Einkommen der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift (Tarifeckwerte 2024).

Alexanders Beispielrechnung: Angenommen, du brauchst 60.000 € vor Steuern für deinen Lebensunterhalt. Alles, was du darüber hinaus verdienst, wäre eigentlich Vermögensaufbau. Genau dieser Teil wird aber mit 42 Prozent besteuert. Von jeden 100 € Mehrverdienst kannst du nur mit 58 € arbeiten.

Der zweite Trichter: So rechnet die GmbH

Auch als Solo-Freelancer kannst du dein Business als GmbH betreiben. Alexanders Kurzdefinition: Die GmbH ist eine rechtlich eigenständige Person mit eigenem Einkommen und eigenem Vermögen. Handeln kann sie nur durch dich, als Geschäftsführer bist du die Hand, als Gesellschafter das Hirn.

Damit hast du zwei Steuertrichter. Deine Rechnungen laufen jetzt in die GmbH, und Gewinne, die dort bleiben, besteuert der Staat mit rund 30 Prozent aus Körperschaftsteuer, Soli und Gewerbesteuer. Das deckt sich mit der offiziellen Statistik: Das Bundesfinanzministerium beziffert die tarifliche Gesamtbelastung von Kapitalgesellschaften in Deutschland auf knapp unter 30 Prozent.

Was du zum Leben brauchst, zahlst du dir als Gehalt aus. Den Anstellungsvertrag unterschreibst du auf beiden Seiten, einmal als Arbeitgeber, einmal als angestellter Geschäftsführer. Die Höhe bestimmst du selbst und passt sie an, wenn etwa Mieteinnahmen einen Teil des Lebensunterhalts decken.

Die Grundregel aus dem Vortrag: Was Konsum ist, gehört ins persönliche Einkommen. Was Vermögensaufbau ist, bleibt in der GmbH und wird dort mit 30 statt 42 Prozent besteuert. Diese 12 Prozentpunkte Differenz sind der Kern der ganzen Rechnung: 1.200 € gesparte Steuern je 10.000 €, die in der GmbH statt im Privatvermögen versteuert werden.

Was das über 25 Jahre bedeutet

Alexander rechnete das Beispiel durch: ein Freelancer mit 150.000 € Jahresgewinn und 60.000 € Lebensunterhalt spart nach Abzug der laufenden GmbH-Kosten etwa 10.000 € Steuern pro Jahr. Über 25 Jahre sind das 250.000 €. Legst du die gesparten Steuern jedes Jahr in ETFs an, bei historisch rund 7 Prozent Kapitalrendite, kommen etwa 350.000 € an Erträgen dazu. Am Ende stehen rund 600.000 € mehr Vermögen in der GmbH, allein weil die gesparten Steuern für dich gearbeitet haben.

Vermögen ist für Alexander dabei mehr als Kontostand: das Vermögen, nein zu sagen zu Projekten, von denen man nicht überzeugt ist, und ja zu Ideen, die erst langfristig tragen.

„Mehr Vermögen heißt für mich nichts anderes als ein anderes Wort für Freiheit." (Alexander Keck)

Die GmbH als Privatbank

Das Kapital in der GmbH ist nicht weggesperrt. Drei Möglichkeiten aus dem Vortrag:

  • Darlehen an dich selbst. Die GmbH kann dir privat Eigenkapital für einen Immobilienkauf leihen. Die Zinsen zahlst du an deine eigene Gesellschaft statt an die Bank, und die Rückzahlung verhandelst du deutlich flexibler.
  • Investieren mit Steuervorteil. Verkauft die GmbH Aktien mit Gewinn, fallen effektiv nur rund 1,5 Prozent Steuern an. Im Privatdepot gehen gut 26 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli direkt ab. Auch Kosten wie Depotgebühren oder ein Investment-Coaching setzt die GmbH voll als Betriebsausgaben ab, privat deckelt der Sparer-Pauschbetrag.
  • Angestellten-Vorteile nutzen. Als angestellter Geschäftsführer kannst du dir zum Beispiel die Inflationsausgleichsprämie auszahlen, bis zu 3.000 € steuer- und sozialabgabenfrei, noch bis Ende 2024. Der größere Hebel ist die Pensionszusage: Deine GmbH verspricht dir eine Pension, ohne Versicherung dazwischen. Das Kapital bleibt in der Gesellschaft und arbeitet weiter.

Für die Auszahlungsphase gibt es ebenfalls Wege, etwa die Pension oder der Verkauf privat gehaltener Immobilien an die eigene GmbH, nach zehn Jahren Haltefrist privat steuerfrei. Nur eines solltest du laut Alexander möglichst vermeiden: die klassische Gewinnausschüttung, auf die noch einmal Abgeltungsteuer fällig wird.

Solider auftreten, aber kein Freifahrtschein

Ein Nebeneffekt, der für Freelancer zählt: Eine GmbH wirkt auf Auftraggeber solider. Und sie reduziert den Anschein der Scheinselbstständigkeit, weil der Auftrag an eine Gesellschaft geht, nicht an dich persönlich. Alexander war hier aber deutlich: Wenn du faktisch wie ein Angestellter eingegliedert bist, mit Weisungen, Team-Meetings und Firmen-E-Mail-Adresse, schützt auch die GmbH nicht. Wie dein Setup dasteht, kannst du in ein paar Minuten mit dem kostenlosen Scheinselbstständigkeits-Test von 9am durchspielen. Und welche Kriterien Prüfer wirklich ansetzen, liest du in unserem Leitfaden zum Vermeiden von Scheinselbstständigkeit.

Was die GmbH kostet und wann die UG reicht

Der Preis für alles: mehr Verwaltung. Die GmbH muss bilanzieren. Als Daumenregel nannte Alexander 1.000 € bis 1.500 € Buchhaltungs- und Beratungskosten je 100.000 € Einkommen. Zur Einordnung: Gewerbliche Einzelunternehmen müssen ab 80.000 € Jahresgewinn ohnehin bilanzieren, nur Freiberufler sind dauerhaft befreit.

Das Mindeststammkapital der GmbH liegt bei 25.000 €, eingezahlt werden muss bei Gründung die Hälfte. Wer die 12.500 € nicht flüssig hat, kann mit einer UG starten, die funktioniert genauso. Alexanders trockene Einordnung: Mit dem Zusatz „haftungsbeschränkt" signalisierst du allen, die sich auskennen, dass es für eine GmbH noch nicht gereicht hat. Wer das Kapital hat, gründet gleich die GmbH. Und wer später Angestellte und echte Haftungsrisiken hat, schiebt eine Holding dazwischen, die das Vermögen vom operativen Risiko trennt.

Ein Warnhinweis zum Schluss, der im Q&A mehrfach nachgefragt wurde: Du darfst dein laufendes Freelance-Business nicht einfach abmelden und die nächste Rechnung über die neue GmbH schreiben. Das Finanzamt kann das als Entnahme werten und dein Unternehmen mit dem 13,75-Fachen des Jahresgewinns bewerten. Für den Wechsel gibt es geregelte Umwandlungsverfahren, und spätestens hier gehört eine Steuerberatung an den Tisch, der du gezielte Fragen stellst.

Wann der richtige Zeitpunkt ist

Alexanders Fazit ist unaufgeregt: Erst Geld verdienen, gern als Einzelunternehmen. Sobald du deutlich mehr verdienst, als du zum Leben brauchst, über die GmbH nachdenken. Der Effekt wächst mit jedem Jahr Vorsprung, weil die gesparten Steuern Zeit zum Arbeiten brauchen. Und die Entscheidung solltest du selbst verstehen, statt sie komplett abzugeben: „Ihr braucht selbst die Steuerbildung. Ihr müsst mit der Steuerberatung zusammenarbeiten wie mit anderen Dienstleistern auch."

Je besser deine Auftragslage, desto schneller stellt sich die GmbH-Frage überhaupt. Ein kostenloses Profil auf 9am bringt dich an DACH-Projekte, die den Vermögensaufbau erst möglich machen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Freelance Unlocked wird von 9am gemeinsam mit Uplink und freelancermap organisiert. Dieser Artikel basiert auf der Session von Alexander Keck bei Freelance Unlocked 2024. Den ganzen Vortrag findest du oben im Video: freelanceunlocked.com.

Marc Clemens

Founder & Product Builder

Marc baut seit über zehn Jahren Recruiting- und Job-Marktplätze. Mit 9am will er Freelance-Arbeit für beide Seiten einfacher machen, nebenbei organisiert er die Freelance-Unlocked-Konferenz.

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