Nach deutschem Recht kannst du dein Urheberrecht nicht verkaufen. § 29 UrhG lässt es lebenslang bei dir; dein Kunde bekommt Nutzungsrechte nach § 31 UrhG. Steht im Vertrag nicht, welche, greift die Zweckübertragungsregel: Eingeräumt ist nur, was der Projektzweck zwingend verlangt. Das lässt deinen Kunden ungeschützt und deine eigene Wiederverwendung, dein Portfolio und deine Position bei offenen Rechnungen undefiniert. Sechs Entscheidungen machen eine Klausel vollständig: ausschließlich oder einfach, Umfang, Bearbeitung, Übertragung, der Zeitpunkt des Rechteübergangs (vollständige Zahlung) und der Umgang mit KI-generierten Teilen, an denen gar kein Urheberrecht besteht. Musterklauseln unten.
In den meisten Freelancer-Verträgen steht ein Satz wie „Alle Rechte an den Arbeitsergebnissen gehen auf den Auftraggeber über“. Nach deutschem Urheberrecht leistet dieser Satz weniger, als beide Seiten glauben. Urheberrecht kann er nicht übertragen, weil Urheberrecht nicht übertragbar ist. Und weil er keine einzige Nutzungsart nennt, liest ein Gericht ihn so eng, wie der Projektzweck es zulässt. Der Kunde glaubt, ihm gehöre die Arbeit. Du glaubst, du seist für alles bezahlt worden. Beides stimmt nur halb.
Was das Gesetz tut, wenn dein Vertrag schweigt
§ 29 UrhG ist eindeutig: „Das Urheberrecht ist nicht übertragbar“, außer im Erbfall. Zulässig ist „die Einräumung von Nutzungsrechten“. Du bleibst Urheber, der Kunde wird Lizenznehmer. Das entscheidet, wer gegen eine Verletzung vorgehen darf, ob du die Arbeit im Portfolio zeigen darfst und ob der Kunde sie an Dritte weitergeben kann.
§ 31 UrhG kennt zwei Lizenzarten. Das einfache Nutzungsrecht erlaubt die Nutzung, „ohne dass eine Nutzung durch andere ausgeschlossen ist“. Das ausschließliche Nutzungsrecht erlaubt sie „unter Ausschluss aller anderen Personen“, dich eingeschlossen. Beide lassen sich räumlich, zeitlich und inhaltlich beschränken.
Dann die Regel, die den Ärger macht, § 31 Abs. 5, die Zweckübertragungslehre. Sind die Nutzungsarten nicht einzeln bezeichnet, „bestimmt sich nach dem von beiden Partnern zugrunde gelegten Vertragszweck“, welche Rechte eingeräumt sind. Die IT-Recht Kanzlei fasst es in einem Satz: „Jede Einräumung ist so eng wie möglich auszulegen“, und die Beweislast trägt der Auftraggeber. Ein Logo für eine Website ist für diese Website lizenziert. Merchandise, die Marke der Tochterfirma, der Verkauf des Unternehmens: nicht erfasst, wenn der Vertrag es nicht sagt.
Zwei Vorschriften kennen Freelancer selten. § 31a UrhG verlangt für Rechte an noch unbekannten Nutzungsarten die Schriftform und gibt dir ein Widerrufsrecht, auf das du nicht im Voraus verzichten kannst. Und § 69b UrhG, der Softwarerechte automatisch dem Arbeitgeber zuweist, gilt nur für „Arbeitnehmer“. Ein Kunde, der Freelancer-Code wie Angestellten-Code behandelt, merkt das meist Jahre später im Datenraum einer Due Diligence.
Sechs Entscheidungen, die eine Klausel vollständig machen
Vorweg das Ergebnis: Eine brauchbare Klausel beantwortet sechs Fragen. Der Rest ist Formulierung.
1. Ausschließlich oder einfach. Ausschließlich heißt: Du darfst die Arbeit nicht wiederverwenden, auch keinen Baustein, und niemandem sonst lizenzieren. Einfach heißt: Der Kunde darf nutzen, du darfst weiterverwenden. Individuelles Branding: ausschließlich. Vorlage, Code-Bibliothek, stockähnliches Foto: einfach. Sag, was gilt, und preise es ein.
2. Umfang. Räumlich (weltweit oder nicht), zeitlich (dauerhaft oder für die Kampagne), inhaltlich (welche Medien, welche Zwecke). „Alle bekannten Nutzungsarten“ deckt die bekannten ab; unbekannte brauchen die Schriftform aus § 31a.
3. Bearbeitung. Darf der Kunde bearbeiten, übersetzen, beschneiden, refaktorieren? Ohne Bearbeitungsrecht lautet die Antwort weitgehend Nein. Die meisten Kunden brauchen ein Ja.
4. Übertragung und Unterlizenz. Darf der Kunde die Rechte an eine Tochter, eine Agentur, einen Käufer des Unternehmens weitergeben? Wenn nicht, macht eine Umstrukturierung deinen Kunden zum Rechtsverletzer.
5. Zeitpunkt des Übergangs. Der stärkste Satz im Freelancer-Vertrag knüpft die Rechteeinräumung an die vollständige Zahlung: Die Rechte werden unter der aufschiebenden Bedingung des vollständigen Honorareingangs eingeräumt. Bis dahin darf der Kunde nur prüfen. Das ist deine Position, wenn eine Rechnung offen bleibt, und es kostet nichts.
6. Namensnennung und Portfolio. § 13 UrhG gibt dir das Recht, als Urheber genannt zu werden und die Form der Nennung zu bestimmen. Kunden wollen oft einen Verzicht. Tausch ihn gegen ein ausdrückliches Portfoliorecht, schriftlich. Sonst hat dir ein ausschließliches Nutzungsrecht stillschweigend die Möglichkeit genommen, deine beste Arbeit zu zeigen.
Zwei Punkte laufen mit. Quellcode und offene Arbeitsdateien (Layouts, Schriften, Prompts) sind eigene Lieferungen; sag, ob sie dabei sind. Und das Geld: § 32 UrhG gibt dir Anspruch auf „angemessene Vergütung“ und, wenn das vereinbarte Honorar nicht angemessen ist, auf Vertragsanpassung; § 32a ergänzt eine weitere Beteiligung, wenn die Arbeit ein unerwarteter Erfolg wird, und § 40a erlaubt dir bei Pauschalvergütung nach zehn Jahren die anderweitige Verwertung. Ein Buy-out ist zulässig, aber das Gesetz erwartet, dass das Honorar zur Breite der Einräumung passt. Preise Ausschließlichkeit und Übertragbarkeit als eigene Positionen, dann wird aus der Rechtediskussion eine Umfangsdiskussion.
Der KI-Vorbehalt
§ 2 Abs. 2 UrhG: Werke sind „nur persönliche geistige Schöpfungen“. Was ein Modell aus einem Prompt erzeugt, ohne dass ein Mensch das Ergebnis kreativ geformt hat, ist kein Werk und hat kein Urheberrecht, also gibt es daran auch keine Nutzungsrechte einzuräumen. Versprichst du einem Kunden „ausschließliche weltweite Rechte“ an einem rein KI-generierten Hero-Bild, versprichst du etwas, das dir nicht gehört; die Gewährleistung daneben wird zum Risiko. Für KI-gestützte Teile gewährleistest du, dass du die Ausgabe nach den Bedingungen des Anbieters nutzen und weitergeben darfst, nicht, dass du ein Urheberrecht hältst. Den Hintergrund liefert unser Artikel zu KI und Urheberrecht für kreative Freelancer.
Musterklauseln
Die folgenden Klauseln sind Beispiele zur Orientierung, keine Rechtsberatung und kein Ersatz dafür, dass ein Anwalt deinen Vertrag liest.
Deutsches Beispiel
Nutzungsrechte (Beispiel). Der Auftragnehmer räumt dem Auftraggeber unter der aufschiebenden Bedingung des vollständigen Eingangs der vereinbarten Vergütung das ausschließliche, zeitlich und räumlich unbeschränkte Recht ein, die Arbeitsergebnisse für alle bekannten Nutzungsarten zu nutzen, einschließlich des Rechts zur Bearbeitung, Übersetzung und Umgestaltung sowie zur Übertragung und Unterlizenzierung an verbundene Unternehmen und Dienstleister. Bis zur vollständigen Zahlung darf der Auftraggeber die Arbeitsergebnisse nur zur internen Prüfung nutzen. Vorbestehende oder projektunabhängig erstellte Bestandteile (Frameworks, Bibliotheken, Vorlagen) werden einfach und nicht ausschließlich lizenziert. Der Auftragnehmer darf den Auftraggeber als Referenz nennen und die Arbeitsergebnisse nach Veröffentlichung im Portfolio zeigen. Mit KI-Werkzeugen erzeugte Teile werden als solche gekennzeichnet; der Auftragnehmer gewährleistet, dass deren Nutzung und Weitergabe nach den Bedingungen des Anbieters zulässig ist, nicht aber ein Urheberrecht an diesen Teilen.
Englisches Beispiel
Rights of use (example). The Contractor grants the Client, subject to the condition precedent of receipt of the full agreed fee, the exclusive, perpetual, worldwide right to use the Deliverables for all known types of use, including the right to edit, translate and adapt them and to transfer or sublicense these rights to affiliated companies and service providers. Until full payment, the Client may use the Deliverables solely for internal review. Components the Contractor created before or independently of this project (frameworks, libraries, templates) are licensed on a non-exclusive basis. The Contractor may name the Client and show the Deliverables in their portfolio after publication. Parts of the Deliverables generated with AI tools are marked as such; the Contractor warrants that their use and transfer is permitted under the tool provider's terms but does not warrant copyright in those parts.
Tausch „ausschließlich“ gegen „einfach“, und der Preis sinkt; ergänze „beschränkt auf das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland für 24 Monate“ für eine Kampagnenlizenz. Die Struktur bleibt.
Was du am Montag tust
- Such den Rechtesatz in deiner Vertragsvorlage. Steht dort „alle Rechte gehen über“ und sonst nichts, räumt er nach § 31 Abs. 5 das Projektminimum ein. Ersetz ihn durch eine Klausel, die die sechs Fragen beantwortet.
- Nimm die Zahlungsbedingung auf. Ein Satz, null Kosten, und aus einer offenen Rechnung wird eine Lizenzfrage statt eines Inkassofalls.
- Schreib dein Portfoliorecht hin. Ein ausschließliches Nutzungsrecht ohne Portfolio-Ausnahme nimmt es dir weg.
- Teile dein Angebot auf: Grundhonorar, Ausschließlichkeit, Übertragbarkeit, Quelldateien. Kunden, die alles wollen, zahlen für alles, sobald sie es als Umfang sehen.
- Kennzeichne KI-generierte Bestandteile in jedem Lieferschein. Das schützt deine Gewährleistung.
Für den Rest des Vertrags decken unsere Checklisten zum Freelancer-Vertrag und zu den Inhalten eines Freelancer-Vertrags Leistungsumfang, Zahlungsbedingungen und Haftung ab. Kunden, die dich über ein kostenloses Profil auf 9am finden, bringen oft einen eigenen Vertrag mit; jetzt weißt du, welchen Absatz du zuerst liest.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung aus der Praxis und ersetzt keine Rechtsberatung. Lass deine eigene Klausel von einem Anwalt prüfen, bevor du sie einsetzt.