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Back Von übersehen zu ausgebucht: Wie Daniel Neuhaus Top-Kunden gewinnt (FUN25)

Von übersehen zu ausgebucht: Wie Daniel Neuhaus Top-Kunden gewinnt (FUN25)

Seit fast zehn Jahren ausgebucht, und trotzdem bewirbt er sich alle drei bis sechs Monate neu. Daniel Neuhaus' System für Top-Kunden.

Marc Clemens
Marc Clemens

Nov 03, 2026

Kundenakquise Wachstumsstrategie
Kurz gesagt

Daniel Neuhaus ist seit fast zehn Jahren ausgebucht und bewirbt sich trotzdem alle drei bis sechs Monate auf neue Projekte, immer wenn seine Vertragsverlängerung ansteht, um seinen Marktwert zu testen. Sein System bei Freelance Unlocked 2025: Top-Kunden über Budget und Verlängerung definieren, das Profil um Ergebnisse in den ersten zehn Sekunden herum bauen, Recruiter für Reichweite und Empfehlungen für Vertrauen nutzen, und ein schriftliches Notfallprotokoll für den Tag, an dem ein Kunde dich absetzt. 62 % der Freelancer in DACH nennen die Akquise als größte Hürde. Er behandelt sie als tägliche Gewohnheit, nicht als Notfall.

„Ihr habt kein Produkt, ihr seid das Produkt." Um diesen Satz hat Daniel Neuhaus seine Session bei Freelance Unlocked 2025 gebaut, und er erklärt, warum ein Freelancer, der seit fast einem Jahrzehnt durchgebucht ist, jede Woche einen Teil seiner Zeit mit Verkaufen verbringt.

Daniel arbeitet in Regulatorik- und Compliance-Projekten an der Schnittstelle zwischen IT und Business, ist seit vier Jahren komplett remote und beschreibt seine ersten fünf Freelance-Jahre als einsam. Der Vortrag vom Mai 2025 ist eher System als Geschichte: was ein Top-Kunde ist, wie du eingeladen wirst, und was du tust, wenn es endet.

Was ein Top-Kunde wirklich ist

Seine Definition ist unsentimental. Ein Top-Kunde hat Budget: ein kurzer Einsatz zu hohem Satz oder ein längerer zu mittlerem, aber immer die Mittel, dich zu halten. Ein Top-Kunde zahlt den Aufpreis für ein etwas besseres Skillset, das gut platziert ist, erwartet Kommunikation, oft eine kleine Projektmanagement-Rolle obendrauf, und verlängert.

Genau deshalb verkauft er auch innerhalb des Accounts weiter. „Ich bin seit mehreren Jahren bei demselben Kunden. Ich mache Inhouse-Werbung für mich, aber auch außerhalb." Komplett remote, nie im Büro des Kunden gewesen, „aber jeder kennt mich, weil ich jede Woche einen Kaffee-Call mit dem einen oder anderen mache."

Und die Gewohnheit, die sich die meisten Freelancer nie trauen würden:

„Ich bewerbe mich alle drei bis sechs Monate immer wieder aufs Neue, wenn meine Vertragsverlängerung ansteht, weil ich meinen Marktwert immer wieder teste. Was bezahlen denn die anderen Kunden für mich jetzt? Jetzt habe ich mehr Skills, jetzt habe ich mehr Erfahrung. Wie sieht's denn überhaupt aus?" (Daniel Neuhaus)

Die ersten zehn Sekunden

Am Tag vor seinem Vortrag hat er mit rund 40 Leuten auf der Konferenz gesprochen. „Alle haben gesagt: Ich bin Entwickler. Ja, schön, Entwickler, aber was entwickelst du? Was hast du in der Vergangenheit gemacht? Welche Kunden hattest du?" Seine Regel: Die ersten drei bis zehn Sekunden jeder Vorstellung entscheiden, also trägt die Vorstellung Ergebnisse: Zahlen, Daten, Fakten, in einem festen Zeitrahmen. Nicht „Ich bin Entwickler", sondern „Ich habe hundert Apps gebaut".

Dieselbe Logik baut Lebenslauf und Beraterprofil um. Ergebnisorientiert, KPI zuerst, und NDA-sicher: „Wenn ihr in drei Monaten fünf Millionen abgeschlossen habt und fünf Millionen nicht sagen dürft, dann sagt ihr halt siebenstellig." Die Reaktion des Kunden, auf die er zielt: „Moment, das hat er für den anderen Kunden auch gemacht. Das kann er für mich auch machen."

Ein kleinerer Zug aus demselben Abschnitt: Seine eigenen Skills bewertet er mit bewusstem Understatement, vier von fünf Sternen für Excel, damit der Kunde im Interview nachfragt und er eine konkrete Geschichte erzählen kann, statt eine Behauptung zu verteidigen. „Redet lieber über eure Stärken, als dass er euch etwas fragt, was ihr am Ende vielleicht nicht wisst."

Jeder Schritt ist ein Pitch

Sein Bild vom Funnel sind drei Hebelstufen.

Eins-zu-eins-Bewerbungen auf Plattformen sind kalte Leads: Eine Bewerbung bewegt eine Person. Lohnt sich, zwei oder drei am Tag, aber nie als ganzer Plan. Bist du im Interview, konkurrierst du mit zwei anderen, „und dann ist es meistens nicht Skill. Vielleicht ein bisschen Preis manchmal. Sehr, sehr oft ist es die Persönlichkeit."

Recruiter sind eins plus x. „Sie haben das Netzwerk. Ihr solltet das niemals auslassen." Sein Bild für das, was sie beisteuern: „Zum Überzeugen braucht ihr einen Zeugen, jemanden, der für euch spricht."

Direkte Kontakte und Empfehlungen sind der Hebel zum Quadrat, und sie sind Inbound. „Es spielt keine Rolle, was du kannst. Entscheidend ist meistens, wen du kennst und wer dich empfiehlt." Die meisten seiner Projekte kamen über Recruiter oder Empfehlungen, und das Netzwerk des Netzwerks ist das Ziel. Seine Ansage an den Saal: Wer hier noch nicht mit 50 bis 100 Leuten gesprochen hat, muss nach dem Vortrag nachlegen.

Die DACH-Zahlen stützen die Priorität. Im Freelancer-Kompass 2026, 5.412 Freelancer, befragt zwischen November 2025 und Februar 2026, nennen 62 % die Auftragsakquise als größte Hürde, und 55 % sagen, der größte Mehrwert ihres Netzwerks seien neue Aufträge. Daniels Antwort: Investier ins Netzwerk, solange du es nicht brauchst, „denn wenn ihr es braucht, ist es dann da." Ein Kaffee-Call pro Woche, ein Mittagessen, Leute aus der eigenen Nische auf LinkedIn hinzufügen, und ein CRM, in dem er notiert, mit wem er wann gesprochen hat und was die Person außerhalb der Arbeit umtreibt. „Oh, du warst da im Urlaub, da war ich auch schon. Schon habt ihr eine Bindung." Er gibt zu, dass die Recherche schiefgehen kann: Einmal gratulierte er einem Kunden zum Köln-Fan-Dasein, der sich als Leverkusen-Anhänger entpuppte. Der Kunde hat gelacht. Unser Pipeline-Leitfaden macht aus der Gewohnheit eine Wochenroutine, und unser Stück zu Authentizität als Akquise-Strategie erklärt, warum der Persönlichkeitsteil kein Trick ist.

Stellt der Kunde eine Frage, antwortet er in Fallbeispielen. Nicht „Ja, das kann ich", sondern „Das habe ich bei einem Kunden so gelöst, und so ging es."

LinkedIn ist eine Landingpage

Personal Branding ist in Daniels Version eine tägliche Investition, gemacht, während er ausgebucht ist. Posten, und bei Leuten aus der eigenen Nische kommentieren. Auf Englisch, wenn du die ganze Welt willst, auf Deutsch für DACH. Und das Profil als Seite mit einem Job behandeln: „LinkedIn ist eine Landingpage. Es ist nicht nur einfach ein Profil. Die Message muss klar sein: was ihr dort macht und für was ihr steht." Seines hat Bewertungen von Kunden und Kollegen und einen Call to Action, über den jeder einen 15-Minuten-Kaffee-Call direkt in seinen Kalender buchen kann. Dahinter liegt pro Projekt ein „Success Delivery"-PDF. „Es spielt keine Rolle, was du über dich sagst, entscheidend ist, was alle sagen." Wie du ein Profil baust, das das trägt, steht in unserem Leitfaden zum Freelancer-Profil.

Seine Gesamtstrategie: erst in die Breite, Marke und Recruiter-Netzwerk, damit du Reichweite hast; dann in die Tiefe bei den wenigen Bewerbungen, die exakt passen, mit Anschreiben und PDF, „damit die Leute sehen: Der gibt sich extra Mühe, der ist nicht wie alle anderen."

Das Notfallprotokoll

Der Teil des Vortrags mit dem meisten Nicken handelte nicht vom Gewinnen. Er handelte davon, einen Kunden über Nacht zu verlieren. „Der Kunde nimmt euch vom Projekt runter. Ihr wisst nicht warum. Ihr denkt, es ist eure Schuld. Ihr werdet es vielleicht nie erfahren." Also hat er sich ein Schritt-für-Schritt-Protokoll geschrieben, weil man in dem Moment emotional ist.

„Da steht erst mal drin: Calm down, relax, kommen wir erst mal runter, es ist nicht deine Schuld. Budget-Cut, vielleicht haben sie irgendeinen großen Berater reingeholt, was auch immer. Der nächste Step ist Netzwerk. Dann kommt meine A-Mannschaft, die Leute, mit denen ich sehr, sehr gut bin. Dann kommt meine B-Mannschaft, dann kommen meine Recruiter. Ich klappere die alle ab." (Daniel Neuhaus)

Aus diesem Dokument wurde später mit einem Partner ein Produkt, ein kostenloser Guide mit 101 Positionierungsstrategien, den er auf der Bühne erwähnt; der brauchbare Teil für Leser ist das Protokoll selbst, geschrieben, bevor du es brauchst. Wenn dein erster Schritt darin besteht, Fremde anzuschreiben, hat unser Leitfaden zur Kaltakquise im Rahmen des UWG die erlaubten Kanäle und die Vorlagen. Und wenn drei Recruiter dir dasselbe Projekt schicken: „Dann sage ich denen auch hundertmal dieselbe Antwort: Das ist mein Preis."

Was du am Montag tust

  1. Schreib die ersten zwei Zeilen deines Profils als Ergebnis um. Zahlen, Kunden, Zeitraum. NDA-sichere Formulierung, wo nötig.
  2. Terminier deinen Markttest. Erinnerung drei Monate vor Ende deines aktuellen Vertrags: auf zwei Projekte bewerben, auch wenn du verlängern willst.
  3. Schick deinen Profil-Newsletter. Eine Mail an dein Netzwerk mit dem, was seit dem letzten Mal neu ist: ein Skill, eine Rolle, ein Zertifikat.
  4. Schreib das Notfallprotokoll. Schritt eins: Es ist nicht deine Schuld. Dann A-Liste, B-Liste und Recruiter, mit Namen.
  5. Ergänze den Kalenderlink. Ein 15-Minuten-Kaffee-Call, den jeder aus deinem Profil buchen kann, und ein Kaffee-Call pro Woche beim aktuellen Kunden.

Reichweite war Daniels erster Zug, und ein kostenloses 9am-Profil ist ein weiterer Kanal, auf dem DACH-Unternehmen Freelancer nach den Ergebnissen suchen, die du in Zeile eins geschrieben hast.

Zitate aus automatischen Untertiteln leicht bereinigt.

Freelance Unlocked wird von 9am gemeinsam mit Uplink und freelancermap organisiert. Dieser Artikel basiert auf der Session von Daniel Neuhaus bei Freelance Unlocked 2025. Den ganzen Vortrag findest du oben im Video: freelanceunlocked.com.

Marc Clemens

Founder & Product Builder

Marc baut seit über zehn Jahren Recruiting- und Job-Marktplätze. Mit 9am will er Freelance-Arbeit für beide Seiten einfacher machen, nebenbei organisiert er die Freelance-Unlocked-Konferenz.

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