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Back Ein Kunde, zu viel Umsatz: Was die Fünf-Sechstel-Regel 2026 wirklich bedeutet

Ein Kunde, zu viel Umsatz: Was die Fünf-Sechstel-Regel 2026 wirklich bedeutet

Die 5/6-Regel flog 2003 aus dem Statustest. Sie lebt woanders weiter, und dort kostet sie 735 € im Monat.

Blago Yanakiev
Blago Yanakiev

Aug 27, 2026

Kundenakquise Recht Finanzen
Kurz gesagt

Die "Fünf-Sechstel-Regel", die Ratgeberseiten bis heute als Test für Scheinselbstständigkeit verkaufen, hat das Gesetz am 1. Januar 2003 verlassen. Heute fragt § 7 SGB IV nach Weisung und Eingliederung und sagt kein Wort über Umsatzanteile. Die fünf Sechstel leben woanders weiter: § 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI macht dich rentenversicherungspflichtig, wenn du keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer hast und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber arbeitest, und das DRV-Formular fragt genau nach fünf Sechsteln deiner Betriebseinnahmen. Das ist eine Beitragsfrage, keine Statusfrage, und sie kostet Geld.

Frag zehn Freelancer, wie viel Umsatz von einem Kunden zu viel ist, und acht sagen irgendetwas mit 80 Prozent, fünf Sechsteln oder "du brauchst mindestens drei Kunden". Frag, woher das kommt, und es wird still. Also hier die ehrliche Fassung, in der Reihenfolge, in der die Regeln dich wirklich treffen.

Die Regel, die alle zitieren, wurde 2003 gestrichen

Zwischen 1999 und 2002 stand in § 7 Abs. 4 SGB IV ein Katalog aus fünf Merkmalen. Waren drei davon erfüllt, vermutete das Gesetz eine Beschäftigung. Eines der fünf lautete im Wortlaut, den Hensche zitiert: "sie ist auf Dauer und im wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig."

Diese Vermutung wurde zum 1. Januar 2003 aufgehoben. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages halten die Aufhebung durch das Zweite Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 23. Dezember 2002 fest und auch den Grund: Die Regel "hat in der Praxis aufgrund des zu beachtenden Amtsermittlungsgrundsatzes keine weitere Bedeutung erlangt". Und merk dir, was das alte Merkmal nicht sagte: Es nannte keinen Prozentsatz. Die fünf Sechstel standen nie in § 7 SGB IV.

Was heute in § 7 SGB IV steht, ist ein Satz: "Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers." Kein Umsatzanteil, keine Kundenzahl. Ein Kunde macht dich nicht zum Arbeitnehmer, und fünf Kunden schützen dich nicht, wenn du im Team des Auftraggebers unter einem Teamlead sitzt.

Wo die fünf Sechstel tatsächlich stehen

Sie stehen im Rentenrecht, und dort sind sie präzise.

§ 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI macht Selbstständige rentenversicherungspflichtig, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Sie "beschäftigen regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer" und sind "auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig". Bei Gesellschaftern gelten die Auftraggeber der Gesellschaft als ihre eigenen.

Beim "im Wesentlichen" kommt die Zahl zurück. Das DRV-Formular für genau diese Lage, V0050, fragt direkt: "Beziehen Sie auf Dauer mindestens fünf Sechstel Ihrer gesamten Betriebseinnahmen aus diesen Tätigkeiten von einem dieser Auftraggeber?" Fünf Sechstel sind 83,3 % deiner Betriebseinnahmen.

Das ist keine Statusfeststellung. Du bleibst selbstständig, du schreibst weiter Rechnungen, an deinem Vertrag ändert sich nichts. Du wirst nur Pflichtmitglied der gesetzlichen Rentenversicherung. 2026 liegt der Satz bei 18,6 % und die Bezugsgröße bei 3.955 € im Monat, nach unserer eigenen Rechnung also 735,63 € Regelbeitrag im Monat, wobei ein einkommensgerechter Beitrag möglich ist, wenn du deine tatsächlichen Einkünfte nachweist.

Zwei Ausgänge stehen in § 6 SGB VI. Abs. 1a befreit dich für drei Jahre nach der erstmaligen Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit, und noch einmal, wenn du eine solche Tätigkeit nach Vollendung des 58. Lebensjahres aufnimmst. Das Timing zählt: Nach Abs. 4 wirkt ein Antrag innerhalb von drei Monaten ab dem Tag, an dem die Voraussetzungen vorlagen, ein späterer erst ab Eingang. Deinen Betrieb umzubenennen startet die drei Jahre nicht neu.

Und wo sie zurückkommen könnte

Der geleakte BMAS-Entwurf für eine freiwillige "neue Selbstständigkeit" holt dieselbe Idee zurück in den Statustest. Wie LTO am 26. April 2026 berichtete, verlangt der Entwurf ein Vertretungsrecht plus mindestens zwei von vier Merkmalen, eines davon: nicht "im Wesentlichen nur für diesen Auftraggeber" tätig zu sein. Professor Rainer Schlegel, früherer Präsident des Bundessozialgerichts, las die Liste bei Freelance Unlocked 2026 auf der Bühne vor:

"Er ist nicht im Wesentlichen nur für diesen Auftraggeber tätig." (Rainer Schlegel)

Gleicher Satz, gleiche Unschärfe, Zieldatum 1. Januar 2028. Zum Redaktionsschluss ist der Text weiter ein Referentenentwurf ohne Kabinettsbeschluss. Was er kosten würde und wo er steht, haben wir im Artikel zum geleakten Referentenentwurf aufgeschrieben. Wichtig hier ist nur: Ein Kundenmix, der heute entspannt ist, wäre es auch unter dem Entwurf.

Drei Brillen für dieselbe Zahl

Die DRV-Brille. Zwei getrennte Fragen, die ständig vermischt werden. Der Status (§ 7 SGB IV) dreht sich um Weisung und Eingliederung, ein Kunde ist kein Merkmal, öffnet aber typischerweise die Akte. Die Beitragspflicht (§ 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI) dreht sich um fünf Sechstel und fehlende Arbeitnehmer und ist ein Ja oder Nein mit einem Eurobetrag daran.

Die Bankenbrille. Banken und Leasinggesellschaften bepreisen das Risiko, dass dein Einkommen ausfällt. Ein Kunde mit 90 % Umsatzanteil und vier Wochen Kündigungsfrist liest sich schlechter als vier Kunden mit je 25 %. Wie deutsche Kreditgeber die Kundenkonzentration von Selbstständigen tatsächlich gewichten, ist nirgends veröffentlicht. Nimm das also als Mechanismus, nicht als Regel mit Schwellenwert.

Deine eigene Brille. Konzentration ist nicht wegen eines Prozentsatzes gefährlich, sie ist es in Kombination: hoher Anteil, kurze Kündigungsfrist, keine Rücklage. Zwei davon überlebt man. Alle drei sind der Weg, auf dem aus einem guten Jahr in sechs Wochen ein schlechtes wird.

Was die Daten nicht hergeben

Es gibt keine aktuelle veröffentlichte Zahl dazu, wie viele Auftraggeber ein deutscher Freelancer hat oder welchen Anteil der größte ausmacht. Wir haben den Freelancer-Kompass 2026 und die freelance.de Freelancer-Studie 2026 (über 3.300 Teilnehmende, veröffentlicht am 13. März 2026) geprüft, keine von beiden berichtet das. Am nächsten kommt der Befund von freelance.de, dass 52 % der Befragten in den letzten zwölf Monaten nur ein bis zwei Projekte hatten. Das zählt Projekte, keine Kunden, und zwei Projekte können ein Kunde sein oder zwei. Es ist keine Konzentrationszahl und sollte auch nicht als eine benutzt werden.

Der Maßstab muss also dein eigener sein.

Dein Konzentrations-Score

Öffne deine bezahlten Rechnungen der letzten zwölf Monate und schreib vier Zahlen auf.

  1. Anteil. Umsatz des größten Kunden geteilt durch Gesamtumsatz. Über 83 % bist du im Fünf-Sechstel-Bereich und solltest § 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI genau lesen. Zwischen 50 % und 83 % ist normal und wacklig. Unter 50 % ist in Ordnung.
  2. Kunden. Wie viele Kunden dir überhaupt Geld überwiesen haben. Einer ist ein Job mit mehr Papierkram. Zwei sind ein Münzwurf. Drei oder mehr sind ein Betrieb.
  3. Frist. Die Kündigungsfrist im größten Vertrag, in Wochen. Mal deine monatlichen Fixkosten. Das ist das Geld, das der Vertrag selbst dir garantiert.
  4. Rücklage. Monate an Fixkosten auf dem Konto. Unter drei ist Konzentration keine strategische Frage mehr, sondern eine dringende.

Steht bei Zahl eins mehr als 83 % und bei Zahl vier weniger als drei, ist dieses Paar dein Projekt für dieses Quartal. Alles andere kann warten.

Der 90-Tage-Plan

Dirk Franzke war über zehn Jahre auf der Vermittlerseite des Markts, hält weiter Anteile an einem Projektvermittler und hat Expert Brokers mitgegründet. Lies seine Empfehlungen also als System eines Praktikers, nicht als Forschung. Sein Argument für eigene Kunden hat nichts mit Stundensätzen zu tun:

"Häufig geht es darum, dass man vielleicht zwei, drei Kunden parallel hat und gar nicht mehr in Vollauslastung, aber dadurch entfällt auch dieses Klumpenrisiko. Wenn dann ein Kunde einfach mal wegfällt, sind die anderen zwei immer noch da." (Dirk Franzke)

Seine Diagnose, warum die meisten Freelancer konzentriert bleiben, ist schärfer als jede Statistik. Du kommst ins Projekt, verschwindest darin, und zwei Wochen vor Ende schickst du eine hektische Mail an alle, die du kennst. Sein Gegenmittel ist eine Gewohnheit, keine Kampagne:

"Entkoppelt diesen Vertrieb vom Projektstatus. Also macht auch Vertrieb oder Accountmanagement, auch wenn ihr aktuell im Projekt seid." (Dirk Franzke)

Neunzig Tage, vier Schritte:

  • Tag 1 bis 10. Schreib die vier Zahlen auf. Erzähl es niemandem, leg das Ziel fest: größter Kunde unter 60 % Umsatzanteil bis Quartalsende oder ein zusätzlicher zahlender Kunde, je nachdem, was bei deinen Sätzen realistisch ist.
  • Tag 10 bis 30. Franzkes Low Hanging Fruits: eigenes Netzwerk in ein einfaches CRM, frühere Kolleginnen und alte Kunden auflisten, zwei Gespräche pro Woche starten. Die Mechanik steht in unserem Leitfaden zur Kundenpipeline.
  • Tag 30 bis 60. Nimm einen Kanal dazu, den du heute nicht nutzt. Über Plattformen findet die Mehrheit der DACH-Freelancer inzwischen Projekte, das steht in Plattformen als wichtigster Kanal. Zwei oder drei Vermittler, die deinen Namen kennen, schlagen zwanzig, die deinen Lebenslauf haben.
  • Tag 60 bis 90. Verhandel im großen Vertrag die Kündigungsfrist neu, nicht den Satz. Von vier Wochen auf drei Monate ist mehr wert als fünf Prozent.

Was du am Montag tust

  1. Rechne deinen Anteil aus. Letzte zwölf Monate, größter Kunde, eine Zahl. Schreib sie auf einen Zettel.
  2. Prüf die Rentenfrage. Keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer und über fünf Sechstel von einem Auftraggeber heißt, § 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI gilt für dich. Bist du seit weniger als drei Jahren selbstständig, existiert die Befreiung nach § 6 Abs. 1a, und wegen der Drei-Monats-Frist schaust du heute nach, nicht irgendwann.
  3. Prüf den Status getrennt. Der kostenlose Scheinselbstständigkeits-Test von 9am fragt nach Weisung und Eingliederung, also nach dem, was § 7 SGB IV tatsächlich prüft. Zwanzig Minuten.
  4. Verabrede diese Woche zwei Pipeline-Gespräche, solange du noch ausgelastet bist. Genau darum geht es bei Franzke.
  5. Lies deine Kündigungsklausel. Stehen dort vier Wochen, hast du vier Wochen garantiertes Einkommen, egal wie sich die Beziehung anfühlt.

Steht auf dem Zettel 90 %, ist die Antwort weder eine Klausel noch ein Anwalt. Es ist Kunde Nummer zwei. Ein kostenloses Profil auf 9am bringt dich vor Unternehmen aus der ganzen DACH-Region, die Freelancer beauftragen, und ein zweiter Kunde löst die Prüfungsfrage, die Bankfrage und die Schlaffrage auf einmal.

Dieser Artikel ist eine Einordnung aus der Praxis und allgemeine Information. Er ersetzt keine rechtliche oder steuerliche Beratung zu deiner Situation.

Freelance Unlocked wird von 9am gemeinsam mit Uplink und freelancermap organisiert. Dieser Artikel greift die Expertendiskussion zur Reform der Scheinselbstständigkeit und die Session von Dirk Franzke und Sandra Franzke bei Freelance Unlocked 2026 auf. Die ganzen Vorträge findest du oben im Video: freelanceunlocked.com.

Blago Yanakiev

Co-founder & CPO

Blago ist Produktmensch und SaaS-Gründer. Bei 9am verantwortet er das Produkt, bei der Freelance-Unlocked-Konferenz Events und Growth.

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