Drei verschiedene Policen tragen im Deutschen das Wort Haftpflicht, und Freelancer kaufen regelmäßig die, die nicht greift. Verklagt wirst du wegen eines Vermögensschadens aus deiner Arbeit, nicht weil jemand über deine Laptoptasche stolpert. Du brauchst also den Berufsschutz inklusive reiner Vermögensschäden. Eine gesetzliche Pflicht gibt es für die meisten freien Berufe nicht, Kundenverträge verlangen die Police trotzdem. Anbieterpreise 2026 liegen je nach Branche bei rund 14 € bis 58 € im Monat. Und der wirksamste Hebel ist gratis: eine Haftungsklausel in deinem eigenen Vertrag.
Frag einen Raum voller Freelancer, wer eine Berufshaftpflicht hat, und die meisten Hände gehen hoch. Frag, wofür sie zahlt, und die Antworten laufen auseinander. Diese Lücke ist teuer, denn der deutsche Markt verkauft drei getrennte Produkte unter ähnlichen Namen, und nur eines davon deckt das ab, was Freelancern tatsächlich passiert.
Drei Policen, ein missverständliches Wort
Der GULP-Ratgeber vom 6. Mai 2026 zieht die Linie sauber.
Die Vermögensschadenhaftpflicht deckt reine Vermögensschäden ab, also Schäden ohne vorangegangene Verletzung und ohne kaputten Gegenstand. Das Beispiel kennt jede Entwicklerin: Ein Programmierer baut einen Webshop, im Shop steckt ein Preisfehler, dem Kunden entsteht ein Schaden von rund 9.000 €. Nichts ist zerbrochen, niemand ist verletzt, und der Anspruch steht trotzdem im Raum.
Die Berufshaftpflicht ist der weitere Begriff für berufliche Fehler und enthält bei IT, Beratung und Kreativarbeit üblicherweise genau diesen Vermögensschadenschutz.
Die Betriebshaftpflicht ist etwas ganz anderes: Personen- und Sachschäden, die bei deiner Arbeit entstehen. Der klassische Fall ist körperlich, jemand stolpert in deinem Studio, du wirfst den Monitor des Kunden vom Tisch. Wer in fremden Büros und in fremden Daten arbeitet, braucht diese Police meist nicht zuerst, und genau sie wird oft aus Versehen gekauft.
Der Test ist einfach. Was kann deine Arbeit zerstören? Bei den meisten von uns lautet die Antwort: Geld, Termine und Daten. Keine Möbel.
Zwingen kann dich nur der Kunde
Für die meisten freien Tätigkeiten gibt es keine gesetzliche Versicherungspflicht. Die Ausnahmen sind die verkammerten Berufe. § 51 BRAO verlangt von Anwältinnen und Anwälten eine Berufshaftpflicht für Vermögensschäden mit einer Mindestversicherungssumme von 250.000 € je Versicherungsfall, § 67 StBerG verlangt dasselbe von Steuerberatern, beaufsichtigt durch die Kammer. Architektinnen haben eigene Regeln im Landesrecht. Bist du nichts davon, schweigt das Gesetz.
Deine Kunden schweigen nicht. Rahmenverträge von Konzernen und Agenturen machen Police und Mindestdeckung regelmäßig zur Bedingung, und die Bestätigung wird vor der ersten Rechnung abgefragt. Zu den üblicherweise verlangten Summen gibt es keine veröffentlichten Daten. Wer dir einen Marktstandard nennt, nennt seine eigene Erfahrung, und so solltest du jede Zahl behandeln, die du dazu hörst. Was du tun kannst: die Versicherungsklausel im Vertrag lesen, den dort genannten Betrag mit deiner Police vergleichen und die Differenz klären, bevor du anbietest, nicht nachdem du gewonnen hast.
Was es 2026 kostet
Beide Zahlenreihen sind Anbieterpreise. Keine davon ist unabhängige Marktforschung, und dein eigener Beitrag hängt an Umsatz, Deckungssumme und Schadenhistorie.
Das Insurtech DigiCare hat am 3. Juli 2026 Spannen veröffentlicht, monatlich, brutto inklusive 19 % Versicherungssteuer, bei der von ihm als marktüblich bezeichneten Deckungssumme von 3 Mio. €: rund 58 € für IT-Freelancer und Entwicklerinnen, 30 bis 70 € für Consultants, 14 bis 35 € für Kreative, 5 bis 12 € für Dozenten. DigiCare schreibt selbst dazu, dass es Bandbreiten nach öffentlich einsehbaren Anbieterbeispielen und eigener Marktbeobachtung sind.
freelancermap veröffentlicht Ab-Preise des Versicherers exali, zuletzt aktualisiert am 17. November 2025 und als Quelle Ralph Günther von exali nennend: rund 207 € im Jahr für die IT-Haftpflicht, 218 € für Medien, 191 € für Consulting, 382 € für Architekten, mit Selbstbeteiligungen von 0 € im Consulting bis 2.500 € je Schadenfall bei Architekten und rund 250 € bei IT und Medien.
Daraus folgen zwei Dinge. Der Abstand zwischen den Branchen ist echt. Und der Abstand zwischen Ab-Preis und deinem Preis heißt Selbstbeteiligung und Deckungssumme. Vergleiche über beides, nicht über den Monatsbeitrag.
Die Klausel, die nichts kostet
Als Einzelunternehmerin haftest du unbeschränkt, auch mit deinem Privatvermögen. Die Versicherung deckelt die Zahlung, nicht die Haftung. Deckeln kannst du die Haftung im Vertrag, und das ist umsonst.
Was nicht geht: Nach § 309 Nr. 7 BGB darf in AGB die Haftung für Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit und die Haftung für grobe Fahrlässigkeit nicht ausgeschlossen werden. Nach § 307 BGB ist eine Klausel unwirksam, wenn sie den Vertragspartner unangemessen benachteiligt, gerade wenn sie die wesentlichen Pflichten aushöhlt, die den Vertrag überhaupt sinnvoll machen. Diese Kardinalpflichten sind genau das, wofür dein Kunde dich gebucht hat. Eine Klausel, die deine Kernleistung ausnimmt, ist keine Klausel, sondern Dekoration.
Was in der Regel hält: Grenzen bei Nebenpflichten, bei nicht vorhersehbaren Schäden und bei Folgen höherer Gewalt. Praktisch funktioniert eine Begrenzung auf den vorhersehbaren, vertragstypischen Schaden, der Höhe nach an dein Honorar oder deine Deckungssumme gekoppelt, mit Vorsatz und grober Fahrlässigkeit außerhalb der Grenze und Leben, Körper, Gesundheit unangetastet. Verhandelt wird das im Rahmenvertrag, nicht mitten im Schadenfall.
Auch der Vertragstyp verschiebt das Risiko, denn Abnahme und Gewährleistung funktionieren im Werkvertrag anders als im Dienstvertrag. Unser Artikel zu Werkvertrag oder Dienstvertrag geht den Unterschied durch, und die Nutzungsrechteklausel ist die zweite Stelle, an der ein einziger Satz entscheidet, wer ein Risiko trägt.
Was nie gedeckt ist
Eine Ausnahme steht im Gesetz. Nach § 103 VVG zahlt der Versicherer nicht, wenn du den Schaden "vorsätzlich und widerrechtlich" herbeigeführt hast. Alles andere regelt dein Bedingungswerk, und deshalb lohnt sich die langweilige halbe Stunde damit: Deckungssumme, Selbstbeteiligung, Sublimits für Datenverlust und Urheberrechtsverletzungen, und ob Arbeiten vor Vertragsbeginn mitversichert sind. Das große Bild zu Versicherungen für Freelancer steht in unserem Überblick.
Fehler sind der Normalfall
Ralph Günther hat exali gegründet und führt das Unternehmen, einen Versicherer für Freelancer. Sein Interesse an diesem Thema ist also kommerziell, und das gehört vorneweg gesagt. Seine Session bei Freelance Unlocked ging gar nicht um Versicherungen, sondern um Tempo. Sie ist trotzdem das klarste Argument dafür, warum es diesen Schutz gibt.
Angefangen hat exali im denkbar schlechtesten Jahr:
"Exali wurde 2008 genau in der Finanzmarktkrise gegründet. Da sind reihenweise die Freelancer aus den Projekten rausgefallen, und ich hatte die tolle Idee: Wir wollen Freelancer versichern." (Ralph Günther)
Seine Diagnose der deutschen Arbeitskultur ist dieselbe, die eine Haftpflicht nützlich macht:
"Ich glaube, wir hängen so an dem Perfektionismus, weil wir eben Angst haben, Fehler zu machen." (Ralph Günther)
Seine Antwort: früher rausgehen und iterieren, weil in einem schnellen Markt das lange Planen selbst zum Risiko wird. Das funktioniert nur, wenn ein Fehler überlebbar ist. Genau das machen eine Police und eine Haftungsklausel für ein Ein-Personen-Unternehmen:
"Scheitern ist produktiv. Diese Fehler bringen eben Erkenntnisse, und der Richtungswechsel ist Teil des Fortschritts." (Ralph Günther)
Du musst sein Produkt nicht kaufen, um den Punkt mitzunehmen. Wer sich keinen einzigen schlechten Ausgang leisten kann, kalkuliert defensiv, verspricht weniger und nimmt kleinere Projekte. Diese Vorsicht kostet im Jahr mehr als der Beitrag.
Was du am Montag tust
- Öffne deine Police und such das Wort Vermögensschaden. Fehlt es, bist du womöglich gegen das falsche Risiko versichert.
- Schreib Deckungssumme und Selbstbeteiligung auf und vergleiche beides mit der Versicherungsklausel in deinem größten Kundenvertrag.
- Hol zwei Angebote mit derselben Deckungssumme und derselben Selbstbeteiligung. Alles andere ist kein Vergleich.
- Ergänze deine Vertragsvorlage um eine Haftungsklausel: Begrenzung auf den vorhersehbaren, vertragstypischen Schaden, Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit außerhalb, Leben, Körper, Gesundheit unangetastet.
- Frag deinen größten Kunden, welche Summe er tatsächlich verlangt. Liegt sie unter deiner Annahme, zahlst du zu viel. Liegt sie darüber, warst du ungeschützt.
Eine Versicherung schützt die Kehrseite der Arbeit, die du hast. Ist die Pipeline das dünnere Problem, zeigt dich ein kostenloses Profil auf 9am Unternehmen in der DACH-Region, die Freelancer direkt suchen.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung aus der Praxis und ersetzt keine rechtliche oder versicherungsfachliche Beratung.
Freelance Unlocked wird von 9am gemeinsam mit Uplink und freelancermap organisiert. Dieser Artikel greift die Session von Ralph Günther bei Freelance Unlocked 2026 auf. Den ganzen Vortrag findest du oben im Video: freelanceunlocked.com.