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Back Case Studies, die Projekte gewinnen (auch ohne Kundennamen)

Case Studies, die Projekte gewinnen (auch ohne Kundennamen)

Niemand hat gemessen, wie viel eine Fallstudie beim Kunden bewirkt. Was trotzdem funktioniert, plus drei Vorlagen zum Ausfüllen.

Yurii Lazaruk
Yurii Lazaruk

Sep 06, 2026

Kundenakquise Content-Marketing CV
Kurz gesagt

Es gibt keine Studie, die misst, wie stark eine Fallstudie die Entscheidung eines Kunden bewegt. Wer dir dazu eine Prozentzahl nennt, hat sie nicht. Was hält, ist der Aufbau: das Problem des Kunden in seinen Worten, was du getan hast, und das Ergebnis als Zahl. An der Zahl scheitern die meisten Portfolios, sie lesen sich wie eine Aufgabenliste. Darf der Kundenname nicht raus, beschreibst du Branche, Größe und Region und hebst den Nachweis auf. Unten drei Vorlagen zum Ausfüllen.

Ein Freelancer-Portfolio liest sich meistens so: Website gebaut, Texte geschrieben, CRM aufgesetzt. Das ist eine Liste von Dingen, die du angefasst hast. Über das, was sich für die Firma verändert hat, die dich bezahlt hat, steht dort nichts.

Zuerst eine ehrliche Einordnung. Wir haben nach Forschung gesucht, was Kunden vor einer Beauftragung lesen und wie stark eine Fallstudie die Entscheidung verschiebt. Es gibt sie in zitierfähiger Form nicht. Der Research-Bereich von Upwork und die üblichen „Freelancing-Statistiken 2026" messen Marktgröße und Einkommen, nicht das Verhalten der Auftraggeber. Wenn dir irgendwo ein selbstbewusstes „78 % der Kunden schauen zuerst ins Portfolio" begegnet: gemessen hat das niemand, den wir finden konnten. Also bleibt, was belegbar ist: der Aufbau, den erfahrene Freelancer nutzen, und warum.

Das Gerüst aus drei Teilen

Das Problem, in den Worten des Kunden. Nicht „der Kunde brauchte einen React-Entwickler". Das ist deine Sprache. „Das Onboarding dauerte elf Tage, und 30 % der neuen Nutzer sprangen vorher ab" ist seine, und genau dieser Satz ist im Meeting gefallen.

Was du gemacht hast, kurz. Zwei, drei Sätze. Vorgehen, Rahmenbedingungen, die eine Entscheidung, die du verteidigen würdest. Genug, dass eine Fachperson dir glaubt, kurz genug, dass eine Nicht-Fachperson weiterliest.

Das Ergebnis, als Zahl. Umsatz, Stunden, Conversion, Fehlerquote, Time-to-Market, nicht eingestellte Stellen. Keine Zahl vorhanden? Dann ein Vorher-Nachher in klaren Worten und ein Satz dazu, warum die Zahl fehlt.

Dieses Gerüst ist gängige Praxis, keine geschützte Forschung. Es funktioniert wegen dem, was die lesende Person gerade tut: Sie entscheidet, ob ihr Problem eines ist, das du schon einmal gelöst hast.

Die Zahl ist das ganze Argument

Thomas Marbella ist seit über 15 Jahren freiberuflicher App-Entwickler und führt OneCode. Im Freelance-Sucks-Podcast beschreibt er den Moment, in dem über einen Preis nicht mehr verhandelt wird.

„Mir wurde ein Auftrag angeboten, 50.000 im Monat für eine Tech Due Diligence, und ich dachte: Das ist eine Menge Geld. Und sie sagten: Ja, aber wenn alles gut läuft, sparst du uns bis zu einer Viertel- oder halben Million Euro." (Thomas Marbella)

Über das Honorar hat niemand diskutiert, weil daneben eine größere Zahl stand. Genau das macht eine Fallstudie: Sie stellt deinen Preis neben die Zahl, die er beim letzten Mal produziert hat, bevor jemand fragt, was du kostest. Seine Diagnose, warum die meisten Entwickler nie dort ankommen:

„Ich kenne viele Entwickler, die nur an ihren Code und ihren Stack denken. Ist in Ordnung, aber denk in Win-win, denk an den tatsächlichen Wert, den du liefern kannst." (Thomas Marbella)

Einmal hat er das live vorgeführt: Ihm gefiel die Chrono24-App, er schrieb ihnen wegen ihrer Cross-Platform-Entscheidung, stritt sich eine halbe Stunde mit dem CTO darüber, ob sie sich nativ anfühlt, und ging mit einem Gespräch über eine Mitarbeit heraus. „Wenn du wirklich Wert liefern kannst, läuft es", wie er es nennt.

Schreib über den Kunden, nicht über dich

Darinka Burovska coacht Solopreneure und Gründerinnen. Ihre Session bei Freelance Unlocked drehte sich darum, was mit Kundengesprächen passiert, wenn man aufhört, sie zu optimieren. Sie erzählte von einem Gründer, der Hilfe beim Skalieren wollte, obwohl seine Firma weit davon entfernt war. Sie sagte es ihm, verlor den Auftrag und bekam stattdessen drei Gründer aus seinem Umfeld als Kunden.

„Ich habe ihn nicht als Deal gesehen und ihm nichts verkaufen wollen. Ich war ehrlich, ich habe ihn als Menschen gesehen und offen gesagt, was ich sehe." (Darinka Burovska)

„Du siehst den Kunden vor dir nicht als Deal oder als Umsatzzahl. Du siehst einen Menschen, der durch dieselben Herausforderungen geht wie du." (Darinka Burovska)

Daraus wird ein Redigier-Test. Zähl die Sätze, deren Subjekt „ich" oder „wir" ist. Sind es die meisten, hast du einen Lebenslaufeintrag geschrieben. Das Subjekt einer Fallstudie sind der Kunde und sein Problem. Du kommst als das vor, was sich verändert hat.

Wenn der Kunde Nein sagt

Viele Verträge und viele vorsichtige Kunden lassen den Namen nicht zu. Das ändert die Kopfzeile, nicht die Fallstudie.

  • Beschreiben statt nennen. „Ein Logistikunternehmen mit 40 Mitarbeitenden in der DACH-Region" trägt fast das ganze Signal, das auch das Logo getragen hätte, und ist ehrlich.
  • Verhältnisse statt absoluter Zahlen, wenn die absolute Zahl den Kunden erkennbar macht. „Ein Drittel weniger Support-Tickets" geht, „von 900 auf 600 im Monat" nicht.
  • Den Nachweis aufheben. Ein geschwärzter Screenshot, eine kurze schriftliche Bestätigung, ein Dashboard-Export ohne Namen. Du veröffentlichst ihn nie. Du schickst ihn einmal, an den einen Interessenten, der fragt.
  • Bei Vertragsschluss fragen, nicht am Ende. Ein Satz im Vertrag: Der Auftragnehmer darf das Projekt anonymisiert im Portfolio beschreiben. Die meisten Kunden unterschreiben das kommentarlos. Der Rest der Klauseln steht in unserem Leitfaden zu den Inhalten eines Freelancer-Vertrags.

Vanessa D'Souza, Learning Experience Designerin in Berlin, hat die Gewohnheit, die das später leicht macht.

„Ich mache sehr viele Screenshots. Wenn unterwegs ein richtig gutes Kompliment kommt, screenshotte ich es. Ich hebe die Sprachnachrichten auf. Ich gehe zurück und sage mir: Okay, ich bin es wert, ich weiß, was ich tue, und hier ist der Beleg." (Vanessa D'Souza)

Sie fragt früh statt am unangenehmen Ende: „Sprich es am Anfang des Projekts an, sag, dass du am Ende gern ein Testimonial hättest, und wie das abläuft."

Drei Vorlagen

Füll jede mit einem echten Projekt. Lieber roh und konkret als glatt und beliebig.

1. Die volle Fallstudie für die eigene Seite

[Ergebnis in einer Zeile, mit der Zahl.] Kunde: [Branche, Größe, Region]. Rolle: [wofür du engagiert warst]. Zeitraum: [Monate]. Ausgangslage. [Zwei Sätze in der Sprache des Kunden: was lief nicht, was kostete es, warum jetzt.] Was ich gemacht habe. [Drei Sätze: Vorgehen, eine Einschränkung, eine Entscheidung, die du verteidigst.] Ergebnis. [Zahl, Messzeitraum, Methode. Was danach kam: Verlängerung, Empfehlung, Folgeprojekt.] „[Ein Satz vom Kunden, falls du einen hast.]"

2. Die anonymisierte Version, wenn der Name tabu ist

[Ergebnis in einer Zeile, als Verhältnis statt absoluter Zahl.] Ein [Größe] Unternehmen aus [Branche] in [Region]. Kundenname auf Anfrage. Ausgangslage. [Zwei Sätze. Der Typ erkennbar, die Firma nicht.] Was ich gemacht habe. [Drei Sätze.] Ergebnis. [Verhältnis, Messzeitraum. Nachweis auf Anfrage.]

3. Die Kurzfassung für LinkedIn und dein Profil

[Kundentyp] hatte [Problem, eine Zahl]. In [Zeitraum] habe ich [was du getan hast, sechs Wörter]. [Ergebnis, eine Zahl]. Wenn du dasselbe Problem hast, erzähle ich gern, wie.

Englische Fassungen

[Result in one line, with the number.] Client: [industry, size, region]. Role: [what you were hired as]. Period: [months]. The situation. [Two sentences in the client's language: what was broken, what it cost, why now.] What I did. [Three sentences: approach, one constraint, one decision you would defend.] The result. [Number, measurement window, method. What came next: extension, referral, second project.] "[One line from the client, if you have one.]"

[Result in one line, as a ratio rather than an absolute.] A [size] [industry] company in [region]. Named client on request. The situation. [Two sentences. Enough to recognise the type, not the company.] What I did. [Three sentences.] The result. [Ratio, measurement window. Proof on request.]

[Client type] had [problem, one number]. In [timeframe] I [what you did, six words]. [Result, one number]. Happy to walk through how, if you have the same problem.

Wohin die Fallstudie gehört

Auf deine eigene Seite. Die volle Fassung, eine pro Leistung, die du verkaufst. Der einzige Ort, an dem du das Layout bestimmst, und der Link, den du mit einem Angebot verschickst.

Auf LinkedIn. Die Kurzfassung als Post, nicht als PDF, das niemand öffnet. Ein Projekt, eine Zahl, ein Angebot, es zu erklären. Den Rhythmus dazu beschreibt unser Text zu Personal Branding für Freelancer.

In dein 9am-Profil. Hier lohnt Genauigkeit, weil es unser eigenes Produkt ist. 9am beschreibt das Profil öffentlich als „the perfect business card that sells and can be used anywhere", „built specifically with the needs of hiring managers in mind" und als Profil, das „created and updated automatically" wird. Ein eigenes Fallstudien- oder Portfoliofeld beschreiben die Seiten nicht. Behandle das Profil also als das, was Hiring Manager zuerst lesen, und deinen Fallstudien-Link als das, was es transportiert. Unser Leitfaden zum Freelancer-Profil sagt dasselbe: eine eigene Portfolioseite verlinken oder Arbeitsproben als PDF anhängen.

Und wisse, für welche Projekte du Belege sammelst. Wackelt deine Positionierung noch, zeigen deine Fallstudien in drei Richtungen und keine kommt an.

Was du am Montag tust

  1. Zähl die Ich-Sätze in deinem Portfolio. Fangen die meisten mit dir an, schreib die erste Fallstudie mit dem Kunden als Subjekt neu.
  2. Hol dir eine Zahl. Nimm dein bestes Projekt des letzten Jahres, schreib der Person, die es verantwortet hat, und frag, was sich verändert hat. Die Antwort ist deine Überschrift.
  3. Nimm die Portfolio-Klausel in deine Vertragsvorlage auf. Jetzt kostet sie nichts, später ist sie eine Bitte.
  4. Leg den Screenshot-Ordner an. Jedes Kompliment, jede Sprachnachricht, jedes „das hat uns gerettet" aus einem Slack-Thread, ab heute.
  5. Veröffentliche diese Woche eine Kurzfassung. Vorlage 3, ein Projekt, auf LinkedIn und in deinem Profil.

Nichts davon zahlt sich aus, wenn die Leute mit genau diesem Problem es nie sehen. Ein kostenloses Profil bei 9am zeigt dich Unternehmen in der ganzen DACH-Region, die gerade Freelancer suchen, mit dem Link auf die lange Fassung.

Zitate aus dem Englischen übersetzt und aus automatischen Untertiteln behutsam geglättet.

Freelance Unlocked wird von 9am gemeinsam mit Uplink und freelancermap organisiert. Dieser Artikel greift die Sessions von Darinka Burovska und Vanessa D'Souza bei Freelance Unlocked 2026 sowie die Freelance-Sucks-Podcastfolge mit Thomas Marbella auf. Video und Folge findest du oben: freelanceunlocked.com.

Yurii Lazaruk

Community Builder & Podcast-Host

Yurii hat die 9am-Community aufgebaut und die Podcasts Freelance Thrive und Freelance Sucks moderiert, mit hunderten Gesprächen darüber, wie sich Freelancing wirklich anfühlt.

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